OLDENBURG - Einen Ruf an die Fernuniversität Hagen hat er seinerzeit abgelehnt. Vermutlich deswegen, weil er sich eine Universität „ohne körperlich und geistig anwesende Studierende nicht vorstellen konnte“, heißt es in einer Laudatio aus dem Jahr 2003.

Damals war Professor Dr. Karl-Heinz Naßmacher, Politikwissenschaftler am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Oldenburg, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Am Montag wurde der gebürtige Danziger in den Ruhestand verabschiedet.

Naßmacher, der Bankbetriebs- und Volkswirtschaftslehre, Jura und Politikwissenschaft an den Universitäten Köln und Penn State (USA) studierte, machte sich während seiner akademischen Laufbahn insbesondere mit seinen Forschungen zur Parteienfinanzierung einen Namen, der im In- und Ausland gefragt einen guten Klang hat. Immer dann, wenn Politik und Parteien ins Gerede kamen, wurde Naßmacher um eine Analyse gebeten – immer wieder auch von der NWZ –, und er ließ sich meist nicht lange bitten.

Bereits im – so der Laudator von 2003 – „jugendlichen Alter von 30 Jahren“ erhielt Karl-Heinz Naßmacher den Ruf auf eine Professur an der Sozialakademie Dortmund. 1975 fand er Gefallen am Angebot der frisch gegründeten Uni Oldenburg, wo er seither lehrte und forschte.

Der Politikfachmann, der unter anderem auch Sachverständiger der Enquete-Kommission „Kommunales Verfassungsrecht“ des niedersächsischen Landtages (1991-1994) und Mitglied der vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog berufenen Parteienfinanzierungskommission (1995-1999) war, hat Standardwerke nicht allein auf seinem Fachgebiet, sondern darüber hinaus (gemeinsam mit seiner Frau Hiltrud Naßmacher) zum weiten Feld der Kommunalpolitik verfasst.

Mit der Emeritierung verliere die Uni Oldenburg einen der angesehensten Politologen Deutschlands und einen beliebten Lehrenden, hieß es am Montag zum Abschied.