OLDENBURG - OLDENBURG/LS - Ein großer Tag war gestern für 125 Absolventen der Polizeifakultät der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege am Studienort Oldenburg: Bei einer Festveranstaltung erhielten sie aus den Händen von Polizeidirektor und Prodekan Rainer Lask ihre Diplome. Nach dem dreijährigen Studium, in dem in sechs Theorie- und Praxissemestern rechtstheoretische und fachpraktische Inhalte vermittelt wurden, wechseln die Absolventen in die Bereitschaftspolizeiabteilungen oder in den Einzeldienst. An der Veranstaltung nahmen neben den Diplomanden und ihren Angehörigen auch Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung teil.

Den Festvortrag hielt Peter Krug, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. „Dass die Wirklichkeit des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens nicht nur aus Highlights besteht, das haben Sie in Theorie und Praxis Ihres dreijährigen Studiums mitunter sehr eindrücklich erlebt. Familienstreit und Verkehrsunfälle rufen immer wieder die Polizei auf den Plan. Bei Gewaltdelikten und beim Überbringen einer Todesnachricht werden Sie mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert. Trotz aller körperlichen Fitness und psychischen Belastbarkeit sind und bleiben wir alle Menschen, die ihre Grenzen haben und hoffentlich auch kennen. Besonders in Extremsituationen kann es gut sein, wenn erfahrene Kollegen oder kirchliche Notfallseelsorger zur Seite stehen“, sagte Krug.

Wer beim Eintritt in den Dienst der Polizei den Schwur leiste, seine Kraft dem Volke und dem Lande zu widmen, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und die Niedersächsische Verfassung zu wahren und zu verteidigen und in Gehorsam gegen die Gesetze seine Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen und Gerechtigkeit gegenüber jedermann zu üben, könne zu diesem Zeitpunkt noch nicht umfassend abschätzen, welche Bewährungsproben im Laufe eines jahrzehntelangen Berufes zu bestehen sein, warnte der Bischof. Den Polizisten gehe es nicht anders als den Pastoren: „Wir bleiben Menschen mit Stärken und Schwächen und sind bisweilen froh darüber, dass nicht jeder merkt, wie wir gerade mit heiler Haut oder blauem Auge davongekommen sind.“