OLDENBURG - 35 Jahre Jahre alt wird die nach dem Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky benannte Universität Oldenburg in diesem Frühjahr. Kein echtes Jubiläum, und demzufolge auch kein wirklicher Grund zum Feiern. Die Uni, in den 70er-Jahren als „linke“ Reformhochschule gegründet, mittlerweile aber längst als nach ökonomischen Prinzipien arbeitender Betrieb akzeptiert, plagt sich mit einem Dilemma herum: Ihr fehlt gerade ein Präsident – und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Stadt Oldenburg sich mit dem Titel „Stadt der Wissenschaft“ schmückt.

Die Findung nach geeigneten Kandidaten oder Kandidatinnen läuft. Es gibt elf Bewerbungen. Alle von außerhalb. Aber die Angelegenheit ist kompliziert. Es muss (oder soll) jemand werden, der in der Lage ist, die Universität in Zeiten der Umstellung auf die Bachelor-/Masterstudien und des wachsenden Konkurrenzdrucks zu konsolidieren – und inneren Frieden in der Uni zu wahren. Eine wahrhaft herkulische Aufgabe.

Eine für den 3. Februar geplante Vorstellungsrunde ist verschoben worden. Ein neuer Termin steht noch nicht fest. Kann sein, dass weitere Kandidaten gesucht werden, es kann auch sein, dass die bisherigen Bewerber noch einmal „feingesichtet“ werden.

Die Universität Oldenburg ist seit ihrer Gründung im Jahr 1974 von fünf Präsidenten geleitet worden. Gründungsrektor war Rainer Krüger. Ihm folgte 1980 – als erster gewählter Präsident – Horst Zilleßen, der sechs Jahre später Michael Daxner Platz machen musste. Daxner war sicherlich der Präsident, der es allen Unkenrufen zum Trotz schaffte, die Uni innerhalb Oldenburgs zu etablieren und auch in Land und Bund „hoffähig“ zu machen. Und Daxner war der bisher einzige Präsident, der zwei Wahlperioden (1986 bis 1998) überstand. Sein Nachfolger Siegfried Grubitzsch blieb bis 2004 im Amt, gefolgt von Uwe Schneidewind, der im vergangenen Herbst nicht ganz freiwillig das Präsidentenbüro räumte.

Seither herrscht ein gewisses Leitungsvakuum. Und damit verbunden emsige Betriebsamkeit hinter den Kulissen. Nicht nur innerhalb der Hochschule wird diskutiert, ob es besser wäre, einen nicht vorbelasteten Kandidaten von außen zu gewinnen, oder jemanden aufzustellen, der die Universität gut kennt – und sich deshalb nicht erst in die Materie einarbeiten muss.

Nach dem Niedersächsischen Hochschulgesetz sucht eine Findungskommission nach Präsidentenkandidatinnen oder -kandidaten, die sich der Hochschule vorstellen und zur Wahl im Universitäts-Senat stehen. Danach muss der Hochschulrat der Wahl zustimmen (oder sie ablehnen). Das letzte Wort hat dann der Wissenschaftsminister, der den Präsidenten oder die Präsidentin ernennt.

So oder so – es wird sehr schwer werden.