OLDENBURG - OLDENBURG/DRU - Lehrer sind auf das Problem des Mobbing in der Schule nicht hinreichend vorbereitet: „Soziales Training und Handlungsfähigkeit in Krisensituationen sind in der Erstausbildung so gut wie kein Thema und werden nicht ausreichend trainiert“, beklagte Wilm Renneberg, Leiter des Oldenburger Fortbildungsinstitutes, am Rande einer Tagung für Beratungslehrer gestern an der Universität Oldenburg.
Grundsätzlich fehle es an wissenschaftlichen Untersuchungen dieses Phänomens, das von Experten als eines der dringendsten Probleme an Schulen beschrieben wird, sagte Renneberg. Allein in Niedersachsen sind nach Angaben des Kultusministeriums 50 000 junge Menschen durch gewalttätige Übergriffe und Bedrohung betroffen, denen häufig Mobbing vorausgegangen ist.
Mobbing finde zumeist in Grundschulen und in Berufsbildenden Schulen statt, berichtete der Schulpsychologen Carl-Georg Burg. Es beginne mit zunächst harmlos erscheinenden Hänseleien und könne sich bis hin zu körperlichen Übergriffen des Täters steigern, je mehr sich das Opfer gedemütigt fühle und Schwäche zeige.
„Mobbing wirkt außerhalb der konkreten Mobbing-Situation wie Gift weiter und macht den attackierten Menschen angstvoll, hilflos und schließlich krank“, sagte Margareta Behnsen, Beratungslehrerin am Gymnasium an der Willmsstraße in Delmenhorst. Nach ihren Erfahrungen suchen Mobbing-Opfer an Schulen „viel zu spät“ Hilfe. Für die Lehrer sei es dann eine durchaus schwierige Gratwanderung, einerseits das Selbstbewusstsein und dadurch die Widerstandsfähigkeit der Opfer zu stärken und andererseits dem Täter die Chance zu geben, sein Gesicht zu wahren und sein Verhalten zu ändern.
Ein wichtiger Schlüssel zur Vermeidung von Mobbing liegt nach Ansicht der Experten in den jeweiligen Elternhäusern der Schüler. Wichtig sei eine wertorientierte Erziehung, die die Entwicklung starker Persönlichkeiten mit sozialer Kompetenz fördere.
Bedauerlicherweise werde an Schulen vielfach deutlich, dass viele Eltern dazu heute „nicht mehr in der Lage und deshalb völlig überfordert“ seien, sagte Wilm Renneberg. Aus diesem Grunde engagiere sich das Oldenburger Fortbildungsinstitut in zwei Projekten für „starke Kinder“, die in Oldenburger Kindertagesstätten angesiedelt seien. „Wir müssen viel früher als bisher ansetzen“, sagt Renneberg, „in der Sekundarstufe oder der Grundschule ist es oft schon zu spät.“
