OLDENBURG - Helge Thormann wollte es nach der Pensionierung noch einmal wissen. Vor sechs Jahren schrieb sich der frühere stellvertretende Leiter des Ordnungsamtes Oldenburg als Gasthörer an der Universität Oldenburg ein. Und er hat diesen Schritt bis heute nicht bereut. „Wir Älteren sind an der Uni nicht gelitten, sondern integriert“, sagte der 70-Jährige, der als Sprecher der Gasthörer-Interessenvertretung fungiert.
Gasthörende gehören heute zum festen „Kundenstamm“ der Hochschule. Das „Studium generale“, wie das Gasthörerstudium auch genannt wird, feierte am Dienstag sein 25-jähriges Bestehen.
Waren es zu Beginn im Sommersemester 1983 noch rund 100 Neugierige, die als Gasthörer an die Uni kamen, hat sich deren Zahl seit einigen Jahren bei gut 500 pro Semester eingependelt. „Bei insgesamt 10 500 Studierenden ist also jeder 20. Student Gasthörer“, sagt Dr. Christiane Brokmann-Nooren, die stellvertretende Leiterin des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) an der Uni, welches das Studium generale organisiert.
Überwiegend reifere Semester zwischen 60 und 70 Jahren suchen nach dem Berufsleben erneut die geistige Herausforderung. „Während früher überwiegend Frauen das Angebot wahrnahmen, ist das Geschlechterverhältnis heute ausgeglichen“, stellt Brokmann-Nooren fest. Nach Angaben von ZWW-Chefin Ina Grieb bevorzugen die Gasthörenden geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer. Im Schnitt belegen sie zwei bis drei Vorlesungen und Seminare pro Semester.
Berührungsängste mit den regulären Studierenden gibt es offenbar nicht. Im Gegenteil – gerade das gemeinsame Studieren mit den Jüngeren mache den Reiz aus, sagt Thormann. Ein spezielles „Seniorenstudium“, in dem die Gasthörenden unter sich wären, lehnen die Allermeisten ab.
Am kommenden Montag, 7. April, beginnen die ersten Lehrveranstaltungen des Sommersemesters 2008. Gasthörer, die je nach Nutzung des Angebots zwischen 82 und 99 Euro als Semesterbeitrag zahlen, können sich noch bis zum 30. April anmelden.
