OLDENBURG - 400 Studierende des ersten Bachelor-Jahrgangs der Universität Oldenburg erhielten nach sechs Semestern ihre Abschluss-Zeugnisse, mit denen Bewerbungen auf dem Arbeitsmarkt möglich sind. Uni-Präsident Professor Dr. Uwe Schneidewind dankte den Absolventen bei der Abschlussfeier am Sonnabend für ihre Bereitschaft, „sich als erster Jahrgang den Weg allein zu bahnen.“

Nicht nur für Lehrende und Studierende, auch für die Beratungs- und Serviceeinrichtungen der Universität sei der Bachelor Neuland gewesen, sagte Schneidewind. Man hätte auf keine Erfahrungen zurückgreifen können. Die Universität Oldenburg gehört bundesweit zu den ersten Hochschulen, die den neuen Abschluss eingeführt und die Studienordnung komplett reformiert haben.

In Oldenburg wurde in 23 Fächern der „Zwei-Fächer-Bachelor“ abgelegt. Dazu kommen etliche „Fachbachelors“ mit nur einer Studienrichtung. Mit dem „ersten berufsfähigenden Abschluss“ hätten einige Studierende bereits den Start in die Arbeitswelt getan, erläuterte die Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Professor Dr. Sabine Doering. Die allermeisten, davon alle zukünftigen Lehrer, setzten ihr Studium jedoch mit einem Masterstudiengang fort, berichtete Doering.

„Der Bachelor war für uns eine gute Gelegenheit, sämtliche Curricula auf den Prüfstand zu stellen. Wir haben intensiv über alle Studieninhalte reflektiert. Verbesserungswürdig wäre allerdings die Mobilität“, so Doering. Denn die meisten Studierenden wechseln die Uni erst nach dem Bachelor, obwohl es gerade das Ziel des so genannten „Bologna-Prozesses“ gewesen sei, europaweit mehr Austausch zwischen den Hochschulen zu schaffen.

Von Seiten der Lehrenden gab es aber auch deutliche Kritik an der Einführung des Bachelor. „Liebe Versuchskaninchen“, begrüßte Studiendekan Professor Dr. Matthias Wickleder die Absolventen, „sie haben die maximale Zahl an Prüfungsordnungen durchlebt.“ Nicht alle Kollegen hätten ihr Bestes gegeben, sondern den Bachelor abgewertet, weil sie den „guten alten Diplomstudiengängen“ nachtrauerten.

Nach Ansicht Professor Dr. Hans Kaminski vom Institut für ökonomische Bildung müssten insbesondere die pädagogischen Angebote im Lehramtsbereich noch intensiver gestaltet werden.

Das bestätigte auch eine seiner Studentinnen, die 26-jährige Iris Neumann aus Wilhelmshaven. Der Professionalisierungsbereich liefe beim Bachelor „ziemlich nebenher“. Außerdem sei das Studium jetzt wesentlich verschulter.