OLDENBURG - Auch beim diesjährigen Vorlesewettbewerb war wieder viel Leselust zu spüren. Aber nur einer konnte gewinnen.

von annika richter

OLDENBURG - Nichts konnte Thore Singmann anscheinend aus der Ruhe bringen. Gelassen las er seine Texte vor und trat zum Schluss als strahlender Sieger hervor.

Am Donnerstag fand in der Stadtteilbibliothek Flötenteich wieder der alljährliche Stadtentscheid des „Vorlesewettbewerb des deutschen Buchhandels“ statt. 14 Schüler der sechsten Klassen von 14 Oldenburger Schulen nahmen an dem Wettbewerb teil. Die Schüler lasen jeweils einen selbst ausgesuchten und vorbereiteten sowie einen fremden Text, für die je drei Minuten Lesezeit zur Verfügung standen.

Jeder der kleinen Vorleser gab sein Bestes und las lebendig. Doch Thore Singmann von der Helene-Lange-Schule stach durch seine Gelassenheit und besondere Lust am Lesen hervor. So kürte ihn die neunköpfige Jury zum klaren Sieger. „Was Thore zum Sieger machte, war seine absolute Sicherheit den fremden Text lesend zu gestalten“, erklärt Juryvorstand und Leiter einer Grundschule, Herbert Allerheiligen. „Die Spreu trennt sich beim fremden Text vom Weizen. Aber man hat gemerkt, dass Thore den fremden Text verstanden hat.“ Dieser stammte aus dem Buch „Schwein gehabt, Zeus!“ von Paul Shipton.

Nach der Siegerehrung konnte Thore noch gar nicht recht glauben, dass er sich nun mit dem Buch „Meg Finn und die Liste der vier Fehler“ von Eoin Colfer für den Bezirksentscheid qualifiziert hat. „Die Konkurrenz war wirklich gut. Ich bin überrascht, dass ich gewonnen habe. Am Anfang war ich auch ziemlich aufgeregt. Aber als ich meinen eigenen Text gelesen habe, ging es wieder“, erzählt er. Am liebsten liest der Zwölfährige lustige Fantasy-Bücher. „Aber auch dicke Bücher, nicht nur die mit 100 Seiten.“ Ein solches kann er sich nun wieder zulegen. Sein Preis ist ein Büchergutschein über zehn Euro von der Buchhandlung Tabula, die den Lesewettbewerb traditionell veranstaltet.

„Gerade im Hinblick auf diesen Wettbewerb kann ich nicht das Gerücht bestätigen, dass die Leseleistung unter deutschen Jugendlichen nachlässt“, sagt Allerheiligen. „Im Gegenteil, die Beteiligung von 14 Schulen spricht wohl für sich.“