OLDENBURG/WILHELMSHAVEN - Er verkörpert das Ideal eines Lehrers, wie er vermutlich nicht so oft vorkommt. In Erich Welscheholds Unterricht kommen die Schüler gern – freiwillig am Nachmittag, und das, obwohl es sich um Mathematik und Physik handelt.

Für seine begeisternde Art, die jungen Leute mitzunehmen, ist der 62 Jahre alte Pädagoge aus Wilhelmshaven am Dienstag in Oldenburg mit dem „Klaus-von-Klitzing-Preis“ ausgezeichnet worden. Der von der Universität Oldenburg und der Oldenburger EWE-Stiftung gemeinsam verliehen Preis ist mit 15 000 Euro dotiert. Er wurde zum fünften Mal vergeben. Und auch zum fünften mal war der Namensgeber des Preises, der Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing (Stuttgart), beim Festakt im Alten Gymnasium Oldenburg mit dabei.

Mit Erich Welschehold sei die Wahl zum „Lehrer des Jahres“ auf einen Pädagogen gefallen, der sich seit Jahren intensiv und mit unerschöpflicher Motivationskraft für die praxisnahe Vermittlung naturwissenschaftlichen Wissens einsetze, sagte von Klitzing bei der Preisverleihung. Immer wieder gelinge es diesem außergewöhnlichen Lehrer, Schülerinnen und Schüler für Teamarbeit und eigenverantwortliches Handeln zu begeistern.

Erich Welschehold ist gelernter Elektromechaniker, studierter Diplom-Ingenieur und ausgebildeter Realschullehrer für Mathematik und Physik. Seit neun Jahren leitet er den außerschulischen Modellversuch „Bildung für Technik und Natur“ in Wilhelmshaven. Sein Projekt „Welche Schule braucht die Zukunft unserer Welt?“ war im Rahmen der Expo 2000 entstanden.

Der Oldenburger Neurobiologe und Rektor des Hanse-Wissenschaftskollegs Delmenhorst, Professor Dr. Reto Weiler, bescheinigte dem Preisträger „Hingabe und Liebe“ bei seiner pädagogischen Aufgabe. Eine Hingabe, die nach Ansicht des ehemaligen Leiters der Schule Schloss Salem, Dr. Bernhard Bueb, idealerweise „Kinder zu glücklichen Menschen“ zu erziehen vermag. Als Festredner hielt Bueb ein leidenschaftliches Plädoyer für die Ganztagsschule. Das deutsche Schulsystem gebe den jungen Menschen leider zu wenig Zeit, sich über das „akademische Lernen“ hinaus charakterlich zu entfalten, sagte Bueb.