OLDENBURG - Ungelöste Fragen zur Arbeit der Netzhaut stehen im Mittelpunkt des zweiten Europäischen Retina-Treffens, das bis Sonnabend in Oldenburg stattfindet. Über 200 Teilnehmer aus 24 Ländern in aller Welt tauschen Erkenntnisse aus, um so Grundlagen für neue Forschungsergebnisse zu bilden.
Tagungsleiter Professor Dr. Reto Weiler von der Universität Oldenburg ist besonders erfreut, dass zahlreiche junge Forscher unter den Teilnehmern sind. Das zeige, dass es sich um eine wichtige Zukunftsfrage handele. Die Netzhaut ist unter anderem deshalb im Visier der Forscher, weil sich an diesem Teil des Gehirns gut die Grundlagenfrage erforschen lasse, wie die Zusammenarbeit einzelner Nervenzellen funktioniere.
Dr. Karin Dedek, Neurobiologin von der Universität Oldenburg, erläutert einen wichtigen Forschungsbereich, bei dem es darum geht, wie optische Signale in elektrische Impulse umgewandelt werden. Farben, Formen, Kontraste und Bewegungen werden als visuelle Bausteine ans Gehirn gesendet, wo dann ein Gesamtbild entsteht. Dedek: Wie genau das Gehirn die Einzelteile zusammensetzt, wissen wir derzeit noch nicht.
Professor Dr. Eberhard Zrenner, Leiter des Forschungsinstituts für Augenheilkunde in Tübingen, beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, aus der Grundlagenforschung konkrete Hilfe werden zu lassen. Zrenner: Nach gewaltigen Fortschritten in der Forschung stehen wir an einer wichtigen Schwelle. Dabei gehe es zum einen um eine Verlangsamung des Zellenverfalls, aber auch um Möglichkeiten zur Netzhaut-Reparatur. Als wichtig und erfolgreich hätten sich dabei bestimmte Methoden der Gen-Therapie herausgestellt.
Außerdem, so Zrenner, wird ein Verfahren angestrebt, bei dem belastete biologische Zellen durch elektrische Zellen ersetzt werden. Dabei verwandelt ein Chip hinter der Netzhaut das optische Bild in elektrische Signale. Das Ergebnis: Blinde können zumindest eingeschränkt wieder etwas sehen. Derzeit noch Zukunftsmusik sind Versuche, andere Körperzellen lichtempfindlich zu machen und sie in die Netzhaut einzusetzen.
Gerade im Hinblick auf konkrete Einsatzmöglichkeiten seien Tagungen wie das Retina-Meeting so wichtig, weil dort alle entscheidenden Einzelgebiete vertreten seien.
