OLDENBURG - Einen gleichermaßen interessanten wie kurzweiligen Vortrag über „Schwarmintelligenz und Schwarmdummheit“ hielten die beiden Professoren Jens und Stefan Krause in der Zentrale der Landessparkasse zu Oldenburg. Erstmals fand damit ein naturwissenschaftliches Thema Einzug in die seit 2006 bestehende Vortragsreihe „LzO-Blickpunkte-Ansichten-Aussichten“. „Ich freue mich über diese Premiere“, sagte Vorstandsvorsitzender Martin Grapentin, der den Abend vor 250 Gästen moderierte.

Ihre Forschungsergebnisse präsentierten die Brüder Jens und Stefan Krause äußerst lebendig anhand von Computersimulationen und Grafiken. Der Verhaltensbiologe Jens Krause, Professor an der Berliner Humboldt-Universität und Abteilungsleiter am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, analysierte zunächst das – durchaus bekannte - Schwarmverhalten innerhalb von Fischformationen.

„Aber meine Doktoranden waren schnell frustriert, immer nur Fische zu dressieren“, erläuterte Krause humorvoll: „Also übertrugen wir das Experiment auf eine Gruppe von 200 Studenten.“ Das Ergebnis war beeindruckend: Nur fünf bis zehn von ihnen erhielten Informationen und konnten, ohne miteinander zu kommunizieren, die Masse in eine bestimmte Richtung bewegen.

„Wenn wir Wissen verknüpfen, können wir eine Denkleistung erreichen, die für den einzelnen nicht möglich wäre“, folgerte sein Bruder, Professor Stefan Krause, Dekan des Fachbereiches Elektrotechnik und Informatik an der Fachhochschule Lübeck. Anhand von Beispielen demonstrierte er die Erfolge kollektiver Kreativität, zeigte anhand eines Fußballvereins aber auch deren Grenzen auf.

Schwarmintelligenz sei weder eine universelle Lösung, noch könne sie Experten ersetzen, bilanzierte Krause. Aber in einer durch die neuen Medien vernetzten Welt ließen sich damit dynamische Prozesse sehr gut prognostizieren, meinte er. Als Beispiel nannte er die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl, bei der Barack Obama demnach der größere Schwarm der amerikanischen Wähler zu sein scheint.