Oldenburg/Hannover - Die Universität Oldenburg erhält ein neues interdisziplinäres Forschungszentrum im Bereich sicherheitskritische Systeme. Die Wissenschaftler setzten sich mit ihrem Antrag in der vom Wissenschaftsministerium und der Volkswagen-Stiftung gemeinsam initiierten Ausschreibung zur „Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit niedersächsischer Hochschulstandorte“ durch. Fünf Millionen Euro fließen in das Oldenburger Forschungszentrum.
Neben der Uni Oldenburg sind das Informatikinstitut Offis, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Kompetenznetzwerk Safetrans an dem Forschungszentrum beteiligt. Sprecher ist der Oldenburger Informatiker Prof. Dr. Werner Damm. „Gearbeitet wird in diesem Sonderforschungsbereich schwerpunktmäßig an Analysen zu sicherheitskritischen technischen Einrichtungen in Autos, Flugzeugen, der Bahn und im maritimen Bereich“, sagt Damm.
Bei Flugzeugen reicht das bis zu komplizierten Systemen, mit denen automatisch Vorschläge zu Kursänderungen bei drohenden Kollisionen gemacht werden. Ähnlich im Auto-Bereich. Hier geht es um Systeme, die autonom ins Fahrzeug eingreifen, wenn erkannt wird, dass man unvermeidbar in eine Unfallsituation gerät – und entweder abbremsen oder Ausweichmanöver einleiten. So soll zumindest die Wirkung des Unfalls reduziert werden, erklärt Damm.
Die Oldenburger Informatiker schreiben, vereinfacht gesagt, aber nicht nur Computerprogramme, die im mathematischen Sinne beweisen, dass die Anforderungen an die Produkte permanent erfüllt sind (oder nicht). Man geht einen Schritt weiter. Damm: „Es ist das Zusammenfließen von mehreren Disziplinen. Neben den Informatikern, die Hard- und Software entwickeln, sind das Psychologen und Elektrotechniker. Wir betrachten das gesamte Zusammenspiel der in dem Fahrzeug verbauten Elektronik mit dem Menschen in einer Verkehrssituation.“ Dabei geht es immer um Risikobewertung. Simuliert werden auch Situationen, in denen der Fahrer nicht mehr handlungsfähig ist und das Fahrzeug ein Notmanöver auslöst.
Bei dieser Arbeit reiche es nicht mehr aus, wenn jeder Bereich das System nur aus seinem Blickwinkel betrachte. In dem neuen Forschungszentrum wird der Schwerpunkt auf zwei Anwendungsbereiche gelegt. Das ist zum einen Automotive. Dahinter verbirgt sich die generelle Bezeichnung für alle Aktivitäten im Bereich von Zulieferteilen, -produkten oder -dienstleistungen im Bereich der Automobilindustrie. Zweiter Anwendungspunkt ist der maritime Bereich. Dabei hat man bereits namhafte Partner wie Astrium, VW, Enko oder Hella für das Projekt begeistern können.
Insgesamt vier niedersächsische Hochschulen erhalten für Forschungsprojekte in unterschiedlichsten Gebieten 19,5 Millionen Euro. Bedacht werden die Medizinische Hochschule Hannover, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, die Leuphana Universität Lüneburg und die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.
