Hannover - Der politische Streit um den Boykott von Klassenfahrten durch Lehrer an Gymnasien geht weiter. Daran ändert auch der Krisen-Gipfel nichts, zu dem Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Freitag Lehrer, Eltern und Schüler ins Ministerium lud. Die in Aussicht gestellte verbesserte Kostenerstattung für die Pädagogen wird von CDU („Ablenkungsmanöver“) und FDP („Minimallösung“) abgelehnt. Im Landtag drohen erbitterte Auseinandersetzungen.
„Die Ministerin reicht den Lehrern noch nicht einmal den kleinen Finger, sondern gerade mal den abgenagten Fingernagel“, zürnt der liberale Schulexperte Björn Försterling. „Auf dem Rest der Kosten bleiben die Lehrer weiterhin sitzen“, kritisiert der FDP-Landtagsabgeordnete. Diese seien damit schlechter gestellt als andere Landesbeamte.
Auch der Unions-Experte Kai Seefried sieht in den Heiligenstadt-Plänen „nichts als Kosmetik“. Denn im Grundsatz gehe es den Lehrern um die Rücknahme der verfügten einstündigen Mehrarbeit pro Woche. „Aber die Ministerin ignoriert konsequent die wirklichen Sorgen der niedersächsischen Lehrkräfte“, befindet Seefried. Nichts ändere sich an der zusätzlichen Unterrichtsverpflichtung und der Rückname der einst versprochenen Altersermäßigung für ältere Lehrer.
Der schulpolitische Sprecher der Grünen, Heiner Scholing („Klassenfahrten müssen sein“), ruft dagegen zur Mäßigung auf. „Wenn der Boykott jetzt nicht beendet wird, wäre das ein trauriges Signal.“
Heiligenstadt selbst spricht von „drei großen Schritten, die ich auf die Lehrerverbände zugegangen bin“. Damit sei deutlich geworden: „Es gibt keinen Grund, auf Klassenfahrten zu verzichten.“
