OSNABRüCK - Vor genau 2000 Jahren lieferten sich Römer und Germanen eine erbitterte militärische Auseinandersetzung, die als Varusschlacht in die Geschichtsbücher einging. Passend zum Gedenkjahr über das Gemetzel im Jahr 9 nach Christus liegen die Experten im Clinch: Wo genau fand die Schlacht statt und was bedeutete der Sieg der Germanen über die Römer? Klar scheint lediglich: Irgendwo entlang der Grenze zwischen dem heutigen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurden vermutlich über 10 000 Legionäre von den Germanen unter Führung des Cheruskerfürsten mit dem römischen Namen Arminius niedergemetzelt.

Rainer Wiegels, ehemaliger Professor für Alte Geschichte an der Universität Osnabrück und Herausgeber des Buches „Die Varusschlacht – Wendepunkt der Geschichte?“, ist über die Debatte zur Bedeutung der Schlacht etwas verwundert. Er weist vehement ihm jüngst zugesprochene Äußerungen zurück, wonach der Waffengang im Jahre 9 keine Zäsur in der germanischen Geschichte darstellte, sondern vielmehr erst der Abzug der römischen Truppen sieben Jahre später. Der Professor vermutet hinter solchen Unterstellungen eher lokalpatriotische Motive aus dem benachbarten Ostwestfalen.

Lange Jahre nämlich vermuteten Historiker, die Varusschlacht habe im Teutoburger Wald in Ostwestfalen stattgefunden. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus sprach in seinen Schriften vom „saltus Teutoburgiensis“, also der „Schlacht im Teutoburger Wald“. Das 1875 fertiggestellte Hermannsdenkmal bei Detmold steht für diese Auffassung.

Manche Indizien sprechen allerdings eher für Kalkriese bei Osnabrück als Austragungsort der Schlacht. Der Historiker Günther Mossbauer, der die dortigen Ausgrabungen leitet, meint: „Man kann wahrscheinlich von Kalkriese als Ort der Varusschlacht sprechen.“ Zugleich aber mahnt er, den kritischen Blick nicht zu verlieren. Ganz sicher sind sich die Archäologen und Historiker nicht.

Ähnlich äußert sich Wiegels. Für Kalkriese sprächen die zahlreichen Indizienbeweise wie die Funde römischer Münzen oder der Gesichtsmaske eines Reiterhelms. Andere Orte hätten den Nachteil, dass keine dezidierten Beweise vorlägen, die eine eindeutige Aussage zuließen. „Aber wir haben bisher nur die Spitze eines Eisbergs untersucht“, sagt Wiegels und gibt zu bedenken, wie schwer es sei, eine eindeutige Aussage nach 2000 Jahren zu treffen.

Ungeachtet allen Expertenstreits dürfte sich das Varusschlacht-Jubiläum in diesem Jahr förderlich auf den Tourismus im Osnabrücker Land auswirken.