QUAKENBRÜCK - Bei der Suche nach einem Vornamen für ihr

Kind waren sich Thomas Krogmann und seine Lebensgefährtin Jessica

Mustermann damals schnell einig. „Wir wollten unserem Sohn einen

kurzen Namen geben - und Max gefiel uns besonders gut“, erinnert sich

Jessica Mustermann. Und so erblickte am 14. März 2003 in Quakenbrück

(Kreis Osnabrück) der kleine Max Mustermann die Welt. Er trägt exakt

den Namen, der auf Mustern von Personalausweisen, Lohnsteuerkarten

oder Briefen sehr häufig zu finden ist.

„Uns war damals nicht bewusst, wie bekannt der Name ist“, sagt

Krogmann. Noch vor der Geburt des Sohnes berichtete ein befreundeter

Bankmitarbeiter dem Paar, dass er den Namen „Max Mustermann“ täglich

auf Formularen sehe. „Er hat uns dazu geraten, einen anderen Namen

für unser Kind zu wählen“, sagt Krogmann. „Aber unsere Entscheidung

stand fest und wir wollten uns da nicht mehr reinreden lassen.“ Heute

wird das Quakenbrücker Paar oft angesprochen auf den Namen ihres

mittlerweile vierjährigen Sohnes. „Einige Leute fragen zwei Mal nach,

wenn sie den Namen hören - aber daran haben wir uns gewöhnt“, sagt

Jessica Mustermann.

Die 25-Jährige studiert an der Hochschule Vechta, während ihr 29

Jahre alter Lebensgefährte eine Bäckerei in Quakenbrück leitet. Die

dreiköpfige Familie hat gerade in Quakenbrück ein neues Haus bezogen.

„Wir wohnen aber nicht in der Musterstraße“, sagt Jessica Mustermann

und lächelt. Sie blickt auf ihren Sohn Max, der am Küchentisch sitzt.

In großen Lettern schreibt der Junge mit einem Stift seinen Vornamen

auf ein Blatt Papier. „Das hat er sich selbst beigebracht“, sagt

Jessica Mustermann. „Aber seinen Nachnamen kann er noch nicht

schreiben.“

Dabei ist gerade der Nachname von Max eine Seltenheit. „Bundesweit

gibt es nur etwa 100 Personen, die Mustermann heißen“, schätzt

Namensforscher Jürgen Udolph. Der an der Universität Leipzig lehrende

Professor geht davon aus, dass der Name vor mehreren hundert Jahren

in Nordwestdeutschland entstanden sei. „Der Name Mustermann hat sich

vermutlich aus dem Namen Münstermann entwickelt“, erklärt Udolph.

„Die unterschiedlichen Mundarten trugen damals dazu bei, dass sich

der Name leicht veränderte.“

Für Udolph liegt die Deutung des Namens Mustermann auf der Hand:

„Er steht für Personen, die ursprünglich aus Münster stammten und

sich später an einem anderen Ort niederließen.“ Viele Mustermänner

fanden damals ihre neue Heimat in der Region rund um Quakenbrück. „Da

gibt es eine deutliche Konzentration dieses Namens“, berichtet

Udolph. Und so hat der kleine Max Mustermann noch heute viele

Verwandte in seiner Heimatstadt und Umgebung. Der Vierjährige besucht

den Kindergarten, baut gerne Sandburgen und fährt viel Fahrrad. Sogar

Tennisunterricht bekommt er bereits - schließlich ist sein Vater auch

Tennistrainer. „Den Ball trifft er schon mit dem Schläger“, sagt

Krogmann und lächelt.

Doch ob Max Mustermann seinen Nachnamen sein Leben lang behält

oder später den Nachnamen seines Vaters annimmt, ist noch offen. „Das

soll er dann selbst entscheiden“, sagt Krogmann. Er weist aber auf

die Vorteile hin, die sein Sohn wegen des musterhaften Nachnamens

hat. Scherzend stellt Krogmann fest: „Um Führerschein, Kreditkarte

und Personalausweis braucht Max sich nie Sorgen zu machen - die

Sachen hat er ja jetzt schon.“