RASTEDE - Nina Brüning ist ein Mädchen durch und durch. Ihr langes blondes Haar fällt über die Rüschen ihrer Bluse, eine Blüte hängt an ihrer Halskette, am Handgelenk trägt sie Perlen. Sie liebt Tiere, vor allem ihr Pferd und ihre zwei Kaninchen. Eines würde man in Ninas Händen sicher nicht vermuten: ein Gewehr. Doch das gehört seit April zu ihrem Hobby. Seitdem ist die 16-Jährige nämlich Jägerin.

„Mein Patenonkel, mein Großonkel und mein Nachbar sind auch Jäger. Die haben mir immer Geschichten von der Jagd erzählt“, berichtet Nina. Mit 15 ist sie zum ersten Mal mit zur Treibjagd gegangen. Als Treiberin musste sie das Wild in die Richtung der Jäger lenken. „Das war richtig anstrengend. Bei minus 15 Grad sind wir durch Bäche und über Stock und Stein gelaufen. Und ich musste mir natürlich auch ein paar blöde Sprüche anhören, ob ich mithalten könne.“ Doch sie hielt durch und entschied sich, den Jagdschein zu machen.

Acht Monate büffelte sie neben der Schule für den Theorieteil der Prüfung, bekam Abendunterricht, nahm Schießtraining und lernte bei Waldgängen alles über die verschiedenen Pflanzen-, Tier- und Jagdarten sowie das Bestimmen von Innereien und die Erstversorgung erlegter Tiere. Schließlich galt es, die praktische, theoretische und mündlichen Prüfungen zu bestehen – die niedersächsische Prüfung ist die umfangreichste Deutschlands. Doch dafür hat sich das Lernen gelohnt: Nina hat nun ihren Jagdschein und ist Mitglied in der Jägerschaft Ammerland.

In ihrem 24-köpfigen Ausbildungskurs, war sie eine von drei Frauen. Doch sie findet nur manchmal, dass sie sich gegen die Männer durchsetzen muss. Mehr Befangenheit erlebt sie wegen ihres Hobbys bei Freundinnen: „Die finden das nicht so toll, aber sie nehmen es hin“, sagt die Elfklässlerin. „Ich habe ihnen erklärt, dass es Jäger geben muss, um den Wildbestand zu sichern und zu selektieren.“

Natürlich mache es nicht wirklich Spaß, ein Tier zu erschießen, „aber wir erlegen nur alte oder kranke Tiere“. Nina selbst hat noch keines erschossen. „Aber als ich zugesehen habe, war das eigentlich kein Problem.“ Da sie minderjährig ist, darf sie noch nicht allein zur Jagd gehen. Ihre Waffe steht sicher verwahrt beim Nachbarn und Jägerkollegen.

Für ihre Eltern war der Wunsch nach dem Jagdschein kein Problem. „In der Familie meines Mannes haben wir ja schon ein paar Jäger“, sagt Mutter Brigitte Brüning. „Und während des Kursus wurde Nina auch super von den Ausbildern unterstützt.“

Doch nun muss die Jagd erst einmal warten – die Schule geht vor. „Ich glaube, das wird sonst zu viel. Man bekommt dann ja ein Gebiet, in dem man Fallen aufstellen und sie regelmäßig kontrollieren muss. Dazu kommt die Hege und Pflege. Zum Beispiel muss man dem Wild in Notzeiten Nahrung anbieten.“ Und dann ist da noch der erste unumgängliche Schuss auf ein Tier. „Ich kann gar nicht einschätzen, wie das wird. Auf jeden Fall wird da ganz schön viel Adrenalin im Spiel sein.“