Hannover - Die rot-grüne Landesregierung will die Gesamtschulen in Niedersachsen stärker fördern. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) kündigte in Hannover die Gründung von bis zu 50 neuen Gesamtschulen landesweit in den kommenden fünf Jahren an. Durch eine Gesetzesänderung sollen die Hürden gesenkt werden. Die Opposition und der Philologenverbande protestierten.

Bereits im kommenden Schuljahr müssen neue Gesamtschulen statt wie bisher fünf Klassen dann nur noch vier, in Einzelfällen sogar nur drei Parallelklassen pro Jahrgang nachweisen. Heiligenstadt rechnet allerdings wegen der notwendigen Vorlaufzeit damit, dass neue Gesamtschulen erst zum Schuljahr 2014/2015 an den Start gehen. Die SPD-Politikerin sieht dadurch keine Konkurrenz für die Gymnasien. 50 neue Gesamtschulen in dieser Legislaturperiode sei die „Maximalzahl“, sagte die Ministerin. „Es wird kein Massensterben von Gymnasien geben“, betonte Kultus-Staatssekretär Peter Bräth. Es gebe aber keine Bestandsgarantie für jede einzelne Schule.

Nach Angaben von Heiligenstadt sind in den vergangenen Jahren 40 Integrierte Gesamtschulen entstanden. „Wir reden hier über die gesamte Legislatur bis 2018, und die Schulträger entscheiden über die Schulen vor Ort“, versicherte die Ministerin. Nach den Plänen der Koalition könnte die Gesamtschule das Gymnasium allerdings ersetzen. Das war bisher rechtlich nicht möglich.

Rot/Grün will zudem bereits zum neuen Schuljahr das von der schwarz-gelben Vorgängerregierung beschlossene Umstellen auf das Turbo-Abitur (G8) an Gesamtschulen wieder stoppen. Derzeit gibt es in Niedersachsen laut Ministerium 70 Integrierte Gesamtschulen und 258 Gymnasien.

Die Opposition kritisierte die geplante Schulgesetzreform scharf. „Die von Rot/Grün geplanten, geringen Zulassungskriterien für Gesamtschulen bedeuten eine Kampfansage an alle anderen Schulformen in Niedersachsen, insbesondere an Gymnasien“, erklärte der CDU-Abgeordnete Kai Seefried. Dass nach Berechnungen des Kultusministeriums in den kommenden fünf Jahren 50 neue Gesamtschulen gegründet werden könnten, sei ein Beleg dafür, dass SPD und Grüne die Schullandschaft „gründlich umkrempeln“ wollten. „SPD und Grüne nehmen billigend in Kauf, dass Gymnasien und Oberschulen auf dem Land nicht überleben werden“, sagte der FDP-Schulpolitiker Björn Försterling.

Auch die Gymnasiallehrer lehnen die Reform ab. Der Philologenverband sprach von einer „tiefgreifende Veränderung der niedersächsischen Schullandschaft“ durch die Gründung kleiner Gesamtschulen. Viele Realschulen, Oberschulen und Gymnasien würden durch diese Neugründungen bei gleichzeitig zurückgehenden Schülerzahlen in ihrer Existenz bedroht.

Ab August 2015 sollen Bildungsangebote für Mädchen und Jungen elementarer Bestandteil der Arbeit in niedersächsischen Kitas werden. Zwar sind solche Angebote in vielen Einrichtungen längst Standard, gesetzlich vorgeschrieben sind die aber bisher nicht.

Bis Sommer 2014 will Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) den Entwurf eines Kinderförderungsgesetzes in den Landtag einbringen. Zuvor soll es in einer rund einjährigen Dialogphase von Kommunen, Pädagogen und Verbänden ausführlich diskutiert werden. Auch Eltern sollen gehört werden.

Einige Städte und Gemeinden wünschen sich mehr Flexibilität für die Kommunen bei der Ausgestaltung der Kinderförderung, andere fordern klare Standards.