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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Bildung

Aidshilfe Oldenburg Klärt Auf: HIV ist nicht mehr das, was es mal war

01.06.2017

Oldenburg „Tina, wat kosten die Kondome? – der Werbespot mit der freimütig fragenden Kassiererin und dem peinlich berührten Kunden hatte vor rund 30 Jahren Kultcharakter. Er führte amüsant vor Augen, wie wichtig der Schutz vor HIV ist. Heute hat das Thema Aids seinen Schrecken verloren, doch damit auch die Aufmerksamkeit.

Wie aktuell das Thema aber weiterhin ist, wissen Ralf Monsees und Hilko Beloch, die im Auftrag der Oldenburger Aidshilfe Schulen besuchen und über HIV- und Aidsprävention informieren. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen sei bei heterosexuellen 16- bis 25-Jährigen in den vergangene Jahren besorgniserregend gestiegen. Die Jugendlichen würden immer früher sexuell aktiv, zugleich aber auch sorgloser. Dieser gefährlichen Kombination wollen die Berater bei ihren Schulbesuchen entgegenwirken, denn sicher ist: Schützen kann nur eine umfassende Aufklärung.

Der Kult-Spot „Supermarkt“ mit Hella von Sinnen und Ingolf Lück

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Manche Schulen haben den Handlungsbedarf erkannt und laden die Ansprechpartner der Aidshilfe von sich aus regelmäßig zu den 90-minütigen Unterrichteinheiten ein. Grundsätzlich hoffen die Berater aber, dass das Vorgehen in den Landkreisen Ammerland und Oldenburg Schule macht. Dort wird der Kontakt über das Gesundheitsamt vermittelt.

Das entscheidende Anliegen der Berater ist, den Kindern und Jugendlichen ein Problembewusstsein zu vermitteln, ohne Ängste zu schüren. „Uns geht es vor allem darum, das Verantwortungsgefühl für die eigene Gesundheit zu stärken“, sagt Beloch. Viele auf Halbwissen basierende Vorurteile halten sich hartnäckig. Darum hier der neueste Stand.

Belastung verschoben

Eine HIV-Infektion ist heute nicht mehr tödlich, aber auch nicht heilbar. Dank moderner Medikamente können Betroffene weitgehend unbeeinträchtigt leben. Aber: „Sie sind für den Rest ihres Lebens auf Medikamente angewiesen. Und die Nebenwirkungen können sehr belastend sein“, sagt Monsees.

Was eine HIV-Infektion für das eigene Leben bedeuten würde, macht der Gesundheitsberater den Schülern mit einem Rollenspiel deutlich: Er teilt die Klasse in zwei Gruppen ein, die eine bekommt ein negatives, die andere ein positives Testergebnis. Dann beginnt das Gedankenexperiment, und bei den Positiv-Probanden rattern die Probleme durch den Kopf. Wem vertraue ich mich an? Wie gehe ich in der Schule damit um? Was mache ich, wenn ich eine Ausbildung anfangen will? Wann informiere ich einen neuen Partner über meine Infektion? Fragen über Fragen, die vor Augen führen, welche Folgen eine Infektion auch bei guten Behandlungsmöglichkeiten heute noch hat. Gegen die Infektion gibt es Medikamente, gegen das Stigma, die Diskriminierung nicht.

Vorurteile hartnäckig

Vorurteile sind für HIV-Infizierte immer noch ein großes Problem, auch wenn ohne den Austausch von Körperflüssigkeiten keine Gefahr von ihnen ausgeht. Um dem zu begegnen, haben sich Betroffene im Netzwerk „Pro + Netzwerk Positiv in Niedersachsen“ zusammengeschlossen. In der vor kurzem erschienenen Broschüre „Was uns bewegt“ stellen sich elf Positive aus Niedersachsen mit ihren persönlichen Geschichten vor, unter ihnen Frank und Kai aus Oldenburg.

Frank erhielt 1991 das positive Ergebnis seines HIV-Tests: „Die ersten zwei Jahre waren schwierig“, erinnert er sich, „doch durch mein Outing wurde es einfacher“. Heute, wo HIV gut behandelbar sei, spiele die Infektion fast keine Rolle mehr in seinem Leben. „Ich weiß, dass ich noch viele Jahre zu leben habe und gestalte mein Leben nach meinen Vorstellungen. Ich blicke positiv und humorvoll in die Zukunft.“

Der Bericht von Frank macht deutlich, dass es bei der Aidsberatung auf die Balance ankommt: Vorsicht ja, Vorurteile nein.

Sehen Sie auch das Video „HIV-positiv – wenn eine Diagnose das ganze Leben verändert“

Ansprechpartner

Die Gesundheitsämter bieten die Möglichkeit, einen anonymen Aidstest machen zu lassen. Zwischen dem Test und dem Risikokontakt müssen mindestens sechs Wochen liegen, um ein zuverlässiges Ergebnis zu erhalten.

Die Aidshilfe Oldenburg hat ihren Sitz in der Bahnhofstraße 23, Telefon 0441/145 00, E-Mail info@aidshilfe-oldenburg.de. Die Beratungsstelle betreut rund 170 Menschen, 122 Infizierte sowie ihre Angehörigen. Zum Einzugsgebiet gehören neben der Stadt Oldenburg auch die Kreise Ammerland, Oldenburg, Wesermarsch, Cloppenburg sowie die Stadt Delmenhorst.

Homepage Aidshilfe Oldenburg

Mit der Ausstellung „Große Freiheit – liebe.lust.leben“ informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf unkonventionelle Weise über sexuell übertragbare Infektion. Die Erlebnisausstellung ist von Montag, 14. August, bis Samstag, 19. August, auf dem Oldenburger Schloßplatz zu Gast (täglich 9 bis 20 Uhr, am Eröffnungstag ab 14 Uhr). Der Eintritt ist frei.

www.gib-aids-keine-chance.de

Sachlich zur Sache

Wie beim Thema Sex nicht anders zu erwarten, reichen die Reaktionen im Klassenzimmer von Scham bis Angeberei. Um die richtige Atmosphäre für den Austausch zu schaffen, gibt Monsees gleich zu Beginn die Devise aus: Alles hier ist streng vertraulich, nichts verlässt den Raum. Ob eine Lehrkraft anwesend ist, wird fallweise entschieden.

Ein Fragebogen hilft, die Sache sachlich anzugehen und so die Befangenheit zu überwinden: Kann ich mich beim Küssen anstecken? Was muss man beim Kauf von Kondomen beachten? Kann ich sofort nach einem Risikokontakt einen Test machen lassen? Spätesten nach der Kuss-Frage ist das Eis meist gebrochen. Die Antwort lautet: „Man müsste sieben Liter Speichel von einer infizierten Person aufnehmen, um sich anzustecken.“

Wer vor der Klasse nicht sprechen mag, kann sich auch hinterher an die Gesundheitsexperten wenden. Manch einer schämt sich, weil es doch ohne Schutz passiert oder das Kondom verunglückt ist, weiß Monsees. Dann heißt es: Das kann vorkommen und ist keine Schande. Entscheidend ist, ob jetzt ein Test gemacht werden muss.

Die wichtigsten Fakten

Die Berater der Aidshilfe bringen auf den Punkt, was jeder über HIV wissen sollte:
> Es gibt Risikogruppen, aber auch alle anderen Menschen sollten sich schützen.
> Die wichtigste Vorbeugemaßnahme besteht durch die Benutzung von Kondomen. Bei einer Panne besteht kein Grund zur Panik, allerdings sollte dann schnellstmöglich das Infektionsrisiko abgeklärt werden.
> Als Sofortmaßnahme nach einem Risikokontakt gibt es die Möglichkeit einer vorsorglichen Notfallbehandlung. Die sogenannte PEP ist verschreibungspflichtig und sollte innerhalb von 24 Stunden beginnen.
> Keine Ansteckungsgefahr besteht beim Händeschütteln, Umarmen, über Essbesteck oder Geschirr, in der Sauna oder im Schwimmbad. Die Benutzung öffentlicher Toiletten ist ebenfalls unbedenklich. Auch durch Mückenstiche kann das HI-Virus nicht übertragen werden.
> HIV ist nicht vererbbar. Und es kommt sehr selten vor, dass Mütter das Virus auf ihr Kind übertragen.
> Wenn die Virenlast durch eine gute Therapie niedrig gehalten wird, ist HIV nicht ansteckend.

Das A und O

Für alle Altersstufen gilt der Appell der Aidshilfe: Keine Scheu vor Fragen. Wer ein ungutes Gefühl hat, sollte das Infektionsrisiko lieber frühzeitig abklären.

Gerade bei jungen Menschen liegt Beloch und Monsees am Herzen, dass sie sich zu nichts drängen lassen: „Sex ist was Tolles, aber nur im eigenen Tempo“, bestärken sie zu einem gesunden Selbstbewusstsein. Und das nicht nur bei Mädchen. „Auch Jungen fühlen sich heute extrem unter Druck, wenn sie ein Mädchen kennenlernen und meinen, nicht genug Erfahrung zu haben.“

Gegen Unsicherheit vor und nach dem Liebesspiel gibt es für die Gesundheitsexperten nur ein Rezept: frühzeitig informieren.

Vielfältig und gar nicht prüde informieren die folgenden Portale

LIEBESLEBEN ist die neue Dachmarke der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Kampagne ersetzt nach fast 30 Jahren das Logo „Gib AIDS keine Chance“. Bei „Liebesleben – Es ist deins. Schütze es“ geht es neben HIV verstärkt auch um andere sexuell übertragbare Infektionen (STI).

Für die neue Marke wurde der Kult-Spot mit Ingolf Lück neu aufgelegt:

ICH WEISS WAS ICH TU ist die bundesweite Präventionskampagne der Deutschen Aidshilfe für schwule Männer.

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