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Großbrand Schüler büffeln in kahlen Containern

Hans-Christian Wöste

Wittmund - Mit lautem Gejohle und zwei Tagen Verspätung beginnt das neue Schuljahr im ostfriesischen Wittmund: „Wenn ihr Bilder aufhängen wollt: Ihr dürft keine Nägel in die Wände schlagen“, lautet eine der letzten Anweisungen von Schulleiter Uwe Brauns an rund 200 Jungen und Mädchen in der Aula. Das Gelächter endet erst, als Brauns Magnete zum Bilderaufhängen in Aussicht stellt. Dann setzen sich die Klassen aufgeregt in Bewegung, um die nagelneuen Unterrichtsräume zu beziehen. Sie stehen in einem kleinen Containerdorf neben der Alexander-von-Humboldt-Schule, die Anfang Juli zum großen Teil abgebrannt war.

Schneller Aufbau

Aus 162 Containern sind 23 mobile Klassenzimmer und Lehrerräume entstanden, in denen seit Montag rund 550 der insgesamt 1600 Schüler unterrichtet werden. Brauns ist mit dem Ergebnis zufrieden. Anfang Juli hatte eine explodierende Gasflasche einen Brand entfacht, dem mehr als 40 Prozent des alten Schulgebäudes zum Opfer gefallen war. Jetzt ist die Schule provisorisch wieder betriebsbereit.

Eine frisch geteerte Asphaltfläche, darauf in langen Reihen die aneinandergebauten Container: Der Anblick erinnert stark an das Wohncamp einer Großbaustelle. Drinnen gehen von einem schmucklosen Flur links und rechts die Klassenzimmer ab. Drei verbundene Container bilden einen Unterrichtsraum, alles ist ordentlich beschriftet.

Geräuschvoll nimmt die Klasse 8a den Raum C17 in Beschlag. Stühle und Tische reichen für alle, vorne schreibt der neue Klassenlehrer Christian Ott den Stundenplan an die Schultafel. Ihr klassisches Grün ist der einzige Farbtupfer in dem steril wirkenden weißen Zimmer. Ott hat etwas Mühe, die Geräuschkulisse zu dämpfen. „Es ist sehr hellhörig, wir werden wir uns alle etwas zusammenreißen müssen.“ Tatsächlich vibriert der Fußboden, wenn draußen auf dem Gang Füße vorbeitrippeln.

Die Leichtbauweise der Container hat zwar den schnellen Aufbau innerhalb von nur 26 Arbeitstagen ermöglicht. Doch dafür konnten keine herkömmlichen Wasserleitungen für Heizkörper eingebaut werden. Stattdessen sind Elektro-Heizungen installiert, die jetzt am frühen Morgen noch nicht auf Touren gekommen sind. „Mir ist kalt“, sagt eine Schülerin. „Das kann ja heiter werden im Winter.“

Winterfeste Räume

Schulleiter Brauns räumt die Bedenken schnell aus: „Die Container sind winterfest und gut isoliert, das hat sich jetzt schon an den heißen Tagen gezeigt. Bei einem kalten Winter wird das aber teuer.“ Teuer wird es ohnehin: Auf zehn Millionen Euro wird allein der Brandschaden geschätzt, hinzu kommen mindestens zwei Millionen für das Inventar und rund 45 000 Euro pro Monat für die Mietcontainer. Immerhin hat das Land schnelle Unterstützung und Verstärkung für das Kollegium zugesagt.

Gemeinsam erinnern

Klassenlehrer Ott hat sich noch etwas Anschauungsunterricht für den ersten Schultag überlegt: Gemeinsam zieht die Klasse ein paar hundert Meter weiter zum alten Schulgebäude, das nach dem Brand teilweise abgerissen wird. „Da war unser alter Klassenraum“, zeigt ein Schüler auf ein rußgeschwärztes und von der Hitze zerborstenes Fenster. „Früher haben wir uns gewünscht: Hurra, die Schule brennt. Aber das sieht doch ziemlich schrecklich aus.“

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