Hannover - Stehen 150 Gymnasien in Niedersachsen vor dem Aus? Davor warnt zumindest die Opposition im Landtag. Nach Ansicht von CDU und FDP gefährden die Gesamtschulpläne der rot-grünen Landesregierung zahlreiche Standorte. Koalitionspolitiker betonten dagegen, dass die Benachteiligung der Gesamtschule endlich aufgehoben werde.
Hintergrund ist die geplante Reform des Schulgesetzes, die am Mittwoch im Landtag erstmals beraten wurde. Danach sollen das Abitur nach 13 Jahren an Gesamtschulen wieder eingeführt und die Zahl der notwendigen Parallelklassen für eine Schulgründung von jetzt fünf auf vier oder drei abgesenkt werden. „Mit der vierzügigen Gesamtschule erhalten die Schulträger die Möglichkeit, ihre Schullandschaft flexibel zu gestalten und den regionalen Erfordernissen anzupassen“, betonte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).
„Endlich hat der Elternwille eine Chance“, sagte die Grünen-Abgeordnete Ina Korter (Nordenham). Wie es hieß, ist allerdings noch offen, ob die Koalition die bisherige Elternbefragung zu Schulformen aus dem Gesetz streichen will.
Der FDP-Schulpolitiker Björn Försterling warnte davor, dass zwei von drei Gymnasien durch „die Benachteiligung dieser Schulform“ auf der Kippe stünden. „Man kann jetzt nicht mehr sagen, dass Rot/Grün die Axt an das Gymnasium legt. Vielmehr haben wir es hier mit Brandrodung zu tun.“ Der CDU-Abgeordnete Kai Seefried sprach von einer Kampfansage an alle anderen Schulformen. Es sei „skandalös“, dass die Bildungsverbände nicht die Chance hätten, sich in einer mündlichen Anhörung zur Reform zu äußern. Darüber beklagte sich auch der Verband der Gymnasiallehrer.
Unterdessen wurde am Mittwoch bekannt, dass 2014 rund 47 Millionen Euro im Haushalt des Kultusministeriums fehlen werden, weil Lehrer ab 55 Jahre dann nach einer alten Gesetzesregelung eine Stunde weniger unterrichten müssen. Dadurch fehlten umgerechnet rund 1000 Lehrervollzeitstellen, sagte Heiligenstadt dieser Zeitung. „Das belastet uns natürlich massiv.“
