Hannover - Schulinspektionen sollen eine Hilfe sein für Lehrer und Schulen, um sich weiterzuentwickeln. „Doch sie entpuppen sich als Belastungsfaktor“, räumt Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) ein. Das eindeutige Bild ergibt sich aus der Online-Befragung der Leuphana-Universität in Lüneburg, die rund 10 000 der angeschriebenen 90 000 Lehrkräfte beantworteten.
Eine Last sind auch länderübergreifende Vergleichsklausuren. „Beide Instrumente können daher nicht so bleiben, wie sie sind“, sagt die Ministerin, die beides „auf den Prüfstand“ stellen will. „Sonst ist der Aufwand nicht zu rechtfertigen“, sichert Heiligenstadt den Lehrkräften Entlastung zu.
Und noch eine Botschaft nimmt die Kultusministerin aus der Online-Umfrage mit: Die Leitungen kleiner Grundschulen sind mit administrativen Aufgaben deutlich stärker belastet als die Kräfte an den weiterführenden Schulen. Da will Heiligenstadt umsteuern. Wie? Das lässt sie offen. Kein Wort auch zu ausufernden Arbeitszeiten gerade bei Gymnasiallehrern. Im Herbst soll ein „Expertengremium Arbeitszeitanalyse“ die Arbeit aufnehmen. Vorher gibt es keinen Kommentar.
Opposition und Verbände reagieren enttäuscht. Statt Allgemeinplätze fordert Gewerkschaftschef Eberhard Brandt von der GEW „gezielte Entlastungen“. CDU-Schulexperte Kai Seefried vermutet, dass die Ministerin „lediglich Zeit gewinnen will“. Björn Försterling (FDP) spricht von einem „Placebo-Spiel“. Und der Verband niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR) fordert „endlich Taten“. Auch Heiner Scholing (Grüne) attestiert, dass Lehrer „mehr Unterstützung“ brauchen.
