Hildesheim - Zehn Jahre nach ihrem Start haben die fünf niedersächsischen Stiftungshochschulen eine positive Bilanz gezogen. Die Präsidenten lobten am Freitag den Gewinn an Selbstständigkeit etwa bei der Berufung von Professoren oder bei Bauvorhaben. Nachholbedarf gibt es aus ihrer Sicht aber noch beim Einwerben von Spenden. „Teile unserer Gesellschaft und Öffentlichkeit lehnen Spenden von Reichen innerlich ab, dabei gehört Reichtum zur gesellschaftlichen Realität“, sagte der Hildesheimer Universitätspräsident Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich am Freitag bei einem Festakt in Hildesheim. Zustiftungen und Spenden seien erforderlich, um das Hochschulsystem auszubauen, sagte Friedrich.
Niedersachsen war mit dem Modell der Stiftungshochschule vor zehn Jahren Vorreiter für ganz Deutschland. 2003 wurden die Universitäten Hildesheim, Göttingen und Lüneburg, die Tierärztliche Hochschule Hannover sowie die Hochschule Osnabrück in die Trägerschaft öffentlich-rechtlicher Stiftungen überführt.
„Erstmals wurde vor zehn Jahren ernst gemacht mit der Forderung, die Hochschulen aus der staatlich verordneten Unmündigkeit zu entlassen. Heute sehen wir: Es hat funktioniert“, erklärte der damalige niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann am Freitag. Der heutige SPD-Bundespolitiker war für die Hochschulreform verantwortlich.
Die Uni Hildesheim traf als erste deutsche Hochschule die Entscheidung für das Stiftungsmodell. Eigenverantwortlich richtete die Uni Professuren wie Deutsch als Zweitsprache, Frühpädagogik oder Kulturelle Bildung ein. Dies habe das Profil in den Bildungswissenschaften gestärkt, betonte Hildesheims Unipräsident Friedrich. Ein weiterer Vorteil: Dank des neuen Modells sind die Hochschulen in der Lage, ihre Berufungsverfahren von mehreren Jahren auf teils nur sechs Monate zu reduzieren.
Das Einwerben von Spenden soll in Zukunft eine größere Rolle spielen. Anders als in den USA sei die Kultur, öffentliche Hochschulen mit privatem Kapital zu unterstützen, hierzulande noch nicht sehr ausgeprägt, sagte die Göttinger Unipräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel. Solche Spendengelder könnten Firmen in Deutschland derzeit nicht wirklich steuerlich absetzen, kritisierte die Hochschule Osnabrück: „Hier erwarten wir vom Gesetzgeber deutlich bessere Rahmenbedingungen für die Unternehmen.“
