Oldenburg - Der bundesweite Grundschulvergleich stößt bei Pädagogen auf Kritik. „Kinder aus Migrationsfamilien oder mit einem schwierigen sozialen Umfeld benötigten mehr Förderung als lernstarke Schüler“, sagte Monika de Graaff, für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Mitglied im Schulhauptpersonalrat, der NWZ . Deshalb würden Länder wie Niedersachsen und Bremen mit einem größeren Anteil solcher Kinder benachteiligt, sagte de Graaff, die an der Haarentorschule in Oldenburg unterrichtet. Niedersächsische Kinder seien nicht generell dümmer.

Für den ersten innerdeutschen Grundschul-Leistungsvergleich wurden 2011 mehr als 30 000 Viertklässler getestet (die NWZ berichtete) . Nach der am Freitag von der Kultusministerkonferenz offiziell vorgestellten Studie können Grundschüler in Niedersachsen schlechter lesen und rechnen als Kinder in den südlichen Bundesländern. Beim Zuhören und Einordnen von Texten sind sie etwas besser als der Bundesdurchschnitt. Bremer Grundschüler landen in allen drei Disziplinen – Lesen, Zuhören, Mathematik – auf den hintersten Rängen.

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) sieht das Ergebnis positiv. In allen Bereichen seien deutliche Verbesserungen zu beobachten.

Dagegen hält der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte die Studie für nur bedingt aussagekräftig. „Sie berücksichtigt nicht, dass die Bildungskonzepte der Länder stark variieren“, sagt der Landesvorsitzende Manfred Busch der NWZ . Niedersachsen brauche „besserer Konzepte für heterogene Klassen“.

Die Vizevorsitzende der GEW in Niedersachsen, Marianne Demmer, stellt die Rangliste in Frage. „Es sind immer die gleichen Länder an der Spitze und die gleichen am Ende.“ Dies sei „auch zehn Jahre nach der ersten Pisa-Studie ein Buch mit sieben Siegeln“. Demmer fordert „neue Akzente in der Bildungsforschung“. Sinnvoller sei es, nicht Länder, sondern ähnliche Regionen miteinander zu vergleichen.