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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Bildung

Unverhofftes im Karl-Jaspers-Haus

14.03.2014

Oldenburg Die Straße im Dobbenviertel zählt zu den besten Adressen in Oldenburg. Prachtvoll restaurierte Villen in langer Reihe sowie behutsam eingefügte Neubauten in unverbaubarer Lage am Eversten Holz ergeben ein schmuckes Gesamtbild. Zäune und Tore signalisieren Passanten, dass nicht jedermann hier ungebeten Zutritt hat. Das Haus „Unter den Eichen 22“, prachtvoll und umzäunt wie die anderen, bildet da eine Ausnahme: Hier sind Besucher willkommen – allerdings in Gruppen und nach Anmeldung. Auf die Gäste wartet die kleinste und feinste Außenstelle der Carl-von-Ossietzky-Universität: Hier wurde die Arbeitsbibliothek des in Oldenburg geborenen Forschers und Philosophen Karl Jaspers aufgebaut. Die 12 000 Bände und zahlreichen Briefe, Notizen und Widmungen waren von der Universität und der Stiftung Niedersachsen für 300 000 Euro erworben worden.

Das Karl-Jaspers-Haus wurde am 7. September 2013 mit einem Festakt eröffnet. Neben der wissenschaftlich bedeutenden Sammlung gibt es Arbeitsplätze für Forscher sowie Gästeappartements. Interessierte aus ganz Deutschland hören hier Vorträge von Experten aus dem In- und Ausland.

Nicht nur die Wissenschaft hat eine bedeutende neue Anlaufstation, auch das Interesse der Öffentlichkeit am Wirken des Psychiaters, Philosophen und Schriftstellers übertrifft alle Erwartungen. Davon weiß der Vorsitzende der Jaspers-Gesellschaft, Professor Dr. Matthias Bormuth, anschaulich zu berichten. Kein Wunder, schließlich ist Bormuth zugleich „Hausherr“ in der Altbau-Villa.

Großzügige Sponsoren und engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie die EWE-Stiftung, die jetzt im selben Haus residiert, ermöglichten die Verwirklichung des Karl-Jaspers-Hauses in seiner Geburtsstadt. Zehn Monate vor der Eröffnung trafen sich zehn Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichem Leben in der Altbau-Villa zur Gründungsveranstaltung der Jaspers-Gesellschaft. Zwar waren die Bücher aus dem Nachlass bereits in Oldenburg eingetroffen, doch es fehlte noch an vielem. Möbel, Schränke und Innenausbau mussten erst noch finanziert und erworben werden.

Martin Grapentin, eines der Gründungsmitglieder und im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der Landessparkasse zu Oldenburg, erinnert sich an diesen Abend, an dem neun weitere Oldenburgerinnen und Oldenburger teilnahmen, besonders gut. Für ihn bleibt der Moment unvergesslich, als der Mediziner Professor Rudolf Raab beim ersten flüchtigen Hinsehen ein Buch unter den Tausenden Ausstellungsstücken entdeckte, auf dessen Buchrücken die Jahreszahlen 1786 und 1961 sowie der Schriftzug „Landessparkasse zu Oldenburg“ zu lesen waren.

Hier, mitten unter den hochwissenschaftlichen Veröffentlichungen zu philosophischen Themen und Aufsätzen zur modernen Psychiatrie, fand sich das Jahrbuch der LzO zum 175jährigen Bestehen des ältesten deutschen Geldinstituts.

Mit allem hatte Martin Grapentin an diesem Abend gerechnet, nie aber mit der aufwendig gestalteten Jubiläums-Festschrift seines Geldinstituts. herausgegeben vor mehr als fünfzig Jahren. Für Karl Jaspers, dessen Vater Carl Wilhelm (gestorben am 24. Februar 1940 in Oldenburg) Banker war, sich aber auch als Landtagsabgeordneter politisch engagierte, muss der umfangreich bebilderte Rückblick in die Historie des Oldenburger Landes und seiner Landessparkasse wohl vor allem ein Blick zurück in Geschichte und Herkunft seiner Familie gewesen sein, der sich offensichtlich für ihn zu archivieren lohnte.

Vater Carl Wilhelm Jaspers hatte in Jever das Gymnasium besucht und war nach dem Studium in Heidelberg, Berlin und Leipzig 1874 in den oldenburgischen Staatsdienst eingetreten. 1879 wurde er zum Amtshauptmann von Butjadingen ernannt. Schon zwei Jahre danach verzichtete er auf den Beamtenstatus und trat in die Direktion der Oldenburgischen Spar- und Leihbank ein.

Inzwischen wissen die Mitarbeiter im Karl-Jaspers-Haus, dass der Jahresband der LzO eine Alleinstellung unter den über 12 000 Büchern in der Arbeitsbibliothek hat. Weitere Festschriften fanden sich nicht. „Ich war nicht nur wirklich überrascht, sondern auch ein wenig gerührt“, erinnert sich Martin Grapentin an den Augenblick, als ihm die von Jaspers aufbewahrte LzO-Jubiläumsschrift gezeigt wurde. Im Archiv der Bank gibt es nur noch ein Exemplar davon.

Womöglich lagern weitere Überraschungen in der so eindrucksvoll aufbereiteten Jaspers-Sammlung. Auf Wissenschaftler, die sich beruflich mit der Bibliothek beschäftigen, warten in einzigartigem Ambiente gewiss noch ungezählte Entdeckungen.

Lars Reckermann
Chefredakteur
Chefredaktion
Tel:
0441 9988 2000
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