Damals auf dem Misthaufen wurde Ruth Hoting klar, dass ihre Zukunft nicht in der Landwirtschaft liegt. „Ich bin mit 13 Jahren aus der Schule gekommen und habe dann drei Jahre bei einem Bauern gearbeitet, nur um zu essen“, schildert die heute 71-Jährige, die 1933 in Bremerhaven geboren wurde. Eines Tages, sie stand gerade in Arbeitskleidung auf dem Misthaufen, „fuhr ein Wagen vor, eine elegant gekleidete junge Dame stieg aus und alle Männer liefen ihr hinterher“. Und Ruth Hoting sagte sich: „Du musst hier weg, sonst schaut dich nie ein Mann an.“

Mit viel Engagement und ein wenig Glück ergatterte sie einen der in den Nachkriegsjahren raren Ausbildungsplätze zur Einzelhandelskauffrau. Direkt nach der Lehre wurde sie zur Ausbildungsleiterin ernannt und wechselte ins Kaufhaus Merkur nach Oldenburg. Dort – und später dann im Kaufhaus Horten – sorgte sie 15 Jahre lang dafür, dass „die Mädchen eine gute Ausbildung bekamen“. Doch auch private Sorgen ihrer Lehrlinge waren für sie stets ein Thema. Allzu stürmische Verehrer ihrer Mädels wurden von ihr auch schon einmal ins Gebet genommen. „Ich kannte von jeder das Elternhaus, habe nie nur auf Zeugnisse, sondern immer auch auf den Menschen geschaut“, erläutert sie ihr Credo. Später lehrte sie an der Berufsschule, für den Einzelhandelsverband und die Handwerkskammer. Heute betreibt sie die Oldenburger Zeitzeugenbörse und arbeitet am Mehrgenerationenhaus „Sieben Eichen“ mit.

Ruth Hoting

Zeitzeugenbörse