VON THOMAS HELLMOLD - Die private Hermann-Lietz-Schule auf der Insel Spiekeroog hat Kummer mit einer ehemaligen Mitarbeiterin. Die Frau, die von 1999 bis 2004 das unter dem Schlagwort Segelndes Klassenzimmer mittlerweile bundesweit berühmte Projekt High Seas High School begleitet hatte, ist nach Differenzen nicht mehr beim Spiekerooger Internat beschäftigt und arbeitet jetzt als Sportwissenschaftlerin an der Universität Erlangen-Nürnberg.
Dort propagiert sie unter dem Titel Klassenzimmer unter Segeln exakt das gleiche Angebot zu einem pädagogischen Hochseetörn, das einst auf Spiekeroog erdacht und umgesetzt worden war. Ein klarer Fall von Plagiat, sagt der Leiter der Hermann-Lietz-Schule, Dr. Hartwig Henke, dessen Institut unter der Schirmherrschaft der früheren Bundespräsidenten-Gattin Christina Rau steht.
Die Schule, die das Segelnde Klassenzimmer frühzeitig patentrechtlich schützen ließ, hat mittlerweile rechtliche Schritte gegen die offensichtliche Ideen-Piraterie eingeleitet. Der Projektname wurde in Erlangen zwar leicht modifiziert, er ist unserem Modell aber zum Verwechseln ähnlich, begründet Henke seinen Unmut über das Segeln quasi unter geklautem Namen.
Aber nicht allein der Name ist (fast) der gleiche. Auch das Segelschiff, mit dem das Oberstufenprojekt in Erlangen-Nürnberg wirbt, ist dasselbe, das einst die Spiekerooger benutzt hatten. Was die Uni Erlangen verschweigt: Der Thor Heyerdahl so der Name des Toppsegelschoners wurde von der Seeberufsgenossenschaft nach Angaben von Hartwig Henke bereits im Sommer 2007 wegen Baufälligkeit die Erlaubnis für weltweite Fahrten entzogen.
Einen entsprechenden Hinweis der Spiekerooger an die Nürnberger Nachrichten, die noch am 31. März das Klassenzimmer unter Segeln publizistisch unterstützt hatten, nahm dort bislang offenbar nicht ernst. Der Information, dass die Thor Heyerdahl nicht startklar sei, werde man jetzt allerdings nachgehen, teilte das Blatt später auf Nachfrage mit.
