Hannover - Außergewöhnliche Entwicklung an der Hochschule Hannover: Die Führung mit Präsidentin Rosemarie Kerkow-Weil (58) an der Spitze soll von den eigenen Mitarbeitern abgewählt werden. Der Senat der früheren Fachhochschule will die Abwahl des vierköpfigen Gremiums am 11. Januar beschließen, teilte die Hochschule am Montag im Anschluss an eine Sitzung des Senats mit. Hintergrund für den in der Hochschullandschaft seltenen Vorgang ist Ärger über die Amtsführung des Präsidiums. Bei dem Streit geht es unter anderem um die Besoldungen für Professoren an der Hochschule, an der rund 8000 junge Menschen unter anderem Technik- und Medienfächer studieren.
„Das ist ein in der niedersächsischen Hochschulgeschichte einmaliger Vorgang“, erklärte Prof. Rolf Nobel, der Fotojournalismus und Dokumentarfotografie unterrichtet. „Insgesamt 150 Lehrende haben sich bislang hinter den Senat gestellt.“ Das vierköpfige Präsidium ist seit rund einem Jahr im Amt. Kerkow-Weil ist Professorin für Pflegewissenschaft und die Frau des hannoverschen Oberbürgermeisters Stephan Weil, der SPD-Spitzenkandidat für die Niedersachsen-Wahl ist.
SPD-Chef Weil selbst sagte am Montag dieser Zeitung, er wolle sich an Spekulationen über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt des möglichen Abwahlverfahrens und dem Landtagswahltermin nicht beteiligen. Wörtlich sagte der Spitzenkandidat: „Ich bin stolz auf meine Frau.“
Zu den Details der Beratungen am Montag war nichts zu erfahren, da Vertraulichkeit vereinbart worden sei, sagte Hochschulsprecherin Olja Yasenovskaya. Dem Vernehmen nach wurde eine formale Abstimmung über die Annahme des Antrags vermieden. Kritiker der Präsidentin mutmaßen, Kerkow-Weil könne nun versuchen, Senats-Mitglieder bis zum 11. Januar noch umzustimmen.
Den Lehrenden gehe es in dem Konflikt nicht in erster Linie um die Leistungszulagen bei ihrer Besoldung, betont Nobel. Der Abwahl-Antrag sei vielmehr der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die sich seit langem abgezeichnet habe. Nobel wirft dem Präsidium einen autokratischen Führungsstil und mangelnde Transparenz vor.
