Oldenburg - Praktische Lebenshilfe für Bedürftige leisten und dabei den eigenen Horizont erweitern, an einem interessanten wissenschaftlichen Projekt mitarbeiten – und gleichzeitig eine Top-Ausbildung genießen: Für die Oldenburger Studentinnen Anna-Lena Babucke und Julia Wilmes ist das in den vergangenen Monaten möglich geworden – unterstützt von Leserinnen und Lesern der NWZ.

Die beiden künftigen Lehrerinnen haben im Rahmen ihres Masterstudiums an der Universität Oldenburg an einem besonderen Seminar teilnehmen können, das aus Mitteln der NWZ-Weihnachtsaktion 2015 finanziert wurde. Insgesamt 300 000 Euro waren damals gespendet worden, um damit Maßnahmen zur Integration von ins Oldenburger Land geflüchteten Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen.

Die Oldenburger Professorin Monika Ortmann und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Dorin Strenge entwickelten daraufhin ein Seminar, das in besonderer Weise jungen Flüchtlingen half, sich in Deutschland zurechtzufinden, und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur qualifizierten Ausbildung von Lehramtsstudenten leistete.

In einem sogenannten „Buddy-Projekt“ betreute jeweils ein Studierender ein Kind aus einer Oldenburger Flüchtlingsfamilie. Gewissermaßen als ältere Kumpel halfen die Buddies ihren Schützlingen bei ganz alltäglichen Dingen – und profitierten selbst davon. „Forschungsbasiertes Lernen“ heißt der wissenschaftliche Begriff für das Seminar, dessen Ziel die Förderung von sozialer und interkultureller Kompetenz ist. Zum Abschluss wird ein Bericht über „teilnehmende Beobachtungen“ geschrieben, in dem dargestellt wird, welche Entwicklungsschritte die betreuten Kinder während der Betreuung gemacht haben.

Auf dem Betreuungsprogramm standen eine Vielzahl unterschiedlichster Angebote – Sport und Spiel ebenso wie Kino und Schwimmen, Basteln und Malen, Kochen und Backen sowie das Erkunden der Umgebung. Fast von allein verbesserten sich während der Betreuungszeit die Sprachkenntnisse der jungen Flüchtlinge.

Das Fazit am Ende des Projektes ist ausgesprochen positiv. Julia Wilmes berichtet, wie eindrucksvoll es für sie war, eine Jesiden-Familie aus dem Nordirak kennenzulernen, deren Haus zerbombt worden war und die anschließend zwei Jahre in einem Auffanglager lebte, bevor sie dann nach Deutschland kam: „Ich bin als Betreuerin sehr herzlich aufgenommen worden und habe eine wunderbare Gastfreundschaft erlebt.“

Anna-Lena Babucke ist dankbar dafür, dass sie das Alltagsleben von Flüchtlingsfamilien aus erster Hand kennenlernen konnte: „Ich bin erstaunt und begeistert, wie fröhlich und stark ein 12-jähriges Mädchen nach vielen schweren Erfahrungen – darunter allein vier Schulwechsel – durchs Leben geht.“

Zufrieden ist auch Monika Ortmann als Initiatorin des Projektes. Die tatkräftige Professorin, die in den vergangenen Jahren auch einen Studiengang Sonderpädagogik für Menschen mit Behinderungen im Nordirak aufgebaut hat, ist besonders dankbar, dass die Leserinnen und Leser der NWZ so viel Geld gespendet haben, dass solche Sonderprojekte überhaupt stattfinden können: „Aus den staatlichen Mitteln der Uni-Finanzierung wäre das niemals möglich gewesen. Deshalb ein großer Dank an die Förderer der NWZ-Weihnachtsaktion.“

Zum Abschluss des Buddy-Projektes wurde jetzt ein fröhliches Grillfest mit allen Beteiligten gefeiert. Doch auch, wenn es nun zum offiziellen Ende gekommen ist und viele Betreuerinnen und Betreuer Oldenburg nach Abschluss ihres Studiums verlassen werden, ist eins sicher: Einige der Verbindungen werden nicht nur im Gedächtnis und im Herzen der Beteiligten weiterleben, sondern auch eine private Fortsetzung finden.

Jürgen Westerhoff