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Segelschulschiff „Gorch Fock“ wird fertig gebaut
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Aktualisiert vor 1 Minute.

Entscheidung Der Verteidigungsministerin
Segelschulschiff „Gorch Fock“ wird fertig gebaut

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Wenn Schüler die Wahl haben

15.01.2013

Oldenburger Land „Angelika Merkel“, sagt Süleyman und zieht die Augenbrauen hoch. „Die find’ ich voll gut. Aber die soll nicht soviel Geld nach Griechenland bringen.“ Dass Angelika eigentlich Angela heißt, fällt dem 15-jährigen Schüler erst auf, als ihn Mitschüler Deniz verbessert. „Die heißt Angela.“

Süleyman und Deniz haben an der Luisenhofschule in Nordenham (Kreis Wesermarsch) gewählt. Eine ungewohnte Erfahrung. Da kann man schon mal mit dem Vornamen der Bundeskanzlerin durcheinander kommen. In einem zum Wahllokal umgebauten Klassenraum standen vier Wahlkabinen, in denen die 290 Schüler ihre Stimme abgeben konnten.

Nach dem NWZ -Projekt zur Landtagswahl gibt es eine positive Bilanz in den Schulen des Oldenburger Landes: Von Politikverdrossenheit ist bei den jungen Leuten nichts zu spüren. In Hude (Kreis Oldenburg), ist vor allem das Ergebnis der Piraten bemerkenswert. SPD und CDU abgetakelt, FDP und Linke versenkt – die Piratenpartei ist der politischen Konkurrenz an der Peter-Ustinov-Schule davongesegelt.

Piraten schneiden gut ab

Mit 44,8 Prozent der Zweitstimmen enterten die Piraten Platz eins in der Parteiengunst der Klasse 8 Rc. Die 30 Mädchen und Jungen hatten den politischen Freibeutern mit ihrem Abstimmungsverhalten das zweitbeste Ergebnis unter den 54 teilnehmenden Schulen im Oldenburger Land beschert.

In der Klasse 8 Rc werden die am Montag in der NWZ  veröffentlichten Ergebnisse mit Spannung erwartet. „Wir haben unser Resultat mit den Ergebnissen an anderen Schulen und Wahlkreisen verglichen“, sagt Lehrerin Barbara Zabielski. Dabei fallen ihren Schützlingen besonders die hohen Prozentzahlen der CDU in den Wahlkreisen Cloppenburg-Süd und Vechta ins Auge, die dort auch bei der Schülerwahl ihre Hochburgen hatte.

Auch in Delmenhorst sind die Schüler Feuer und Flamme: „Das Projekt hat das Interesse der Schüler für Politik geweckt und wir möchten den Unterricht darauf aufbauen“, sagt Birgit Langner-Ahrens, Lehrerin an den Berufsbildenden Schulen II.

In der Gemeinde Ganderkesee (Kreis Oldenburg) sticht das Einzelergebnis von Ansgar Focke hervor. Der CDU-Landtagsabgeordnete bekommt an der Oberschule starke 42,2 Prozent. Seine Partei (23,8) hinkt hingegen der SPD (27,4) hinterher. Am Ganderkeseer Gymnasium ein anderes Bild: Hier räumen die Grünen mit satten 37,8 Prozent ab. Bemerkenswert ist an beiden Schulen wieder das Ergebnis der Piraten. 19 Prozent an der Oberschule, 12,2 Prozent am Gymnasium – Spitzenkandidat Heiko Zimmermann steht dem mit 16,9 und 7,9 Prozent bei der Erststimme kaum nach. „Sowohl die Grünen als auch die Piraten stehen für junge Themen, deswegen überrascht mich das Ergebnis nicht“, sagt Friedrich Behnsen, Lehrer für Politik am Ganderkeseer Gymnasium.

Früh mit Politik vertraut

Knapp 400 Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 11 haben sich am Jade-Gymnasium Jaderberg beteiligt – und Projekt-Wahlleiter Werner Oeltjen zieht eine sehr positive Bilanz. „Die Schüler waren durch die Bank begeistert. Wir werden die Ergebnisse jetzt im Unterricht besprechen“, sagt der Fachlehrer für Politik-Wirtschaft und Biologie, der am Jade-Gymnasium zugleich Fachobmann für Politik ist.

Im Ahlhorner Gymnasium (Kreis Oldenburg) hatten neun Klassen ihre Erst- sowie Zweitstimme abgegeben, auch bei Politiklehrer Niko Goll. Ihm ist wichtig, die Schüler früh mit Politik vertraut zu machen. „Es wird auch über Studiengebühren entschieden, einige wollen bald studieren,“ sagt er.

Zum starken Abschneiden der Piraten äußert sich der Politiklehrer des Wildeshauser Gymnasiums, Siegfried Endl: „Den Schülern waren die Inhalte und Kandidaten der Grünen und der Piratenpartei näher“. Zum Teil hätten Schüler Piraten-Kandidat Christian Bley gewählt, weil er noch Student sei und die Interessen der Jugendlichen vertreten könne, so ihre Meinung. Ingrid Rose, Lehrerin der Realschule: „Die Mädchen und Jungen haben sich ernst genommen gefühlt.“

Gespannt auf die Wahl

Astrid Wenten, Lehrerin an der Oberschule Hohenkirchen (Kreis Friesland), findet, die Aktion habe etwas bewegt. „Die Schüler haben sich intensiv mit den Ergebnissen auseinandergesetzt und mögliche Koalitionen ausgerechnet. Jetzt sind sie sehr gespannt auf die Landtagswahlergebnisse“, sagt sie.

Klaus Brüggerhoff von der Inselschule Wangerooge sagt, die Schüler hätten untereinander, aber auch mit ihren Eltern über die Ergebnisse diskutiert. „Überrascht hat, dass die Piraten so gut abgeschnitten haben. Das liegt wohl daran, dass für die Jugendlichen das Internet zur Lebenswelt untrennbar dazugehört“, sagt er.

„Es ist sehr sinnvoll, die Wahlen auch ganz praktisch in der Schule nachzustellen“, sagt Regina Seeger, Politiklehrerin an der Oberschule Pingel-Anton in Cloppenburg, an der Klassen von der Acht bis zur Zehn bei der Schülerwahl ihre Stimmen abgegeben hatten. „So sehen die Jugendlichen, was auf sie zukommt. Sie verlieren die Scheu vor dem Wahlzettel.“ Mit der Landtagswahl am Sonntag ist aber das Thema Wahlen in der OS Pingel Anton noch lange nicht beendet. „Wir analysieren die Ergebnisse, schauen, wo die Unterschiede und wo die Gemeinsamkeiten zwischen unserer Wahl und der echten liegen“, sagt Politiklehrerin Seeger.

Auch für die Stegemannschule in Lohne bot die Aktion „willkommenen Anlass“, ein Stück Praxis in den Unterricht einfließen zu lassen und ein Gefühl für „Wahl“ zu vermitteln“, berichtet Rektorin Marlene Böckmann.

Schüler der Robert-Dannemann-Schule in Westerstede (Kreis Ammerland) fühlen sich ernst genommen. Andrea Müller, Klassen- und Politiklehrerin, ist überzeugt, dass ihre Schüler die Wahl intensiver verfolgen werden, da sie mit „anderen Augen“ sehen, was passiert.

Jede Stimme zählt

Als „tolles Projekt, das Jugendlichen Politik begreifbar macht“, bezeichnet Jutta Klages, Schulleiterin der Haupt- und Realschule Edewecht, die Schülerwahl. Das Projekt fördere das politische Bewusstsein, mache Wählen und alles, was damit zusammenhänge, konkret und verdeutliche, dass jede Stimme bei einer Wahl zähle. Jutta Stahmer, Politiklehrerin der HRS Edewecht, berichtet Positives. „Ein prägendes Erlebnis war, als ein Schüler reflektierte: ,Wenn man nicht wählen geht, unterstützt man die schlechten Parteien.’“ Niklas Pigan (16) von der Realschule Bad Zwischenahn zu seiner Informationspolitik: „Man muss nicht 80 Seiten Wahlprogramm durchlesen. Aber grob wissen, was eine Partei will, sollte man. Wenn man nicht wählen geht und Kritik übt, ist die unberechtigt.“

Renate August, Schulleiterin an der Realschule Bad Zwischenahn: „Die Schülerwahl ist kein konstruiertes Gebilde, sondern ganz real. Das weckt auch bei den Schülern mehr Interesse.“

Wählen mit 16 Jahren

Onno Winters, Stadtschülersprecher Oldenburg: „Das war ein sehr gutes Projekt, die Schüler auf dieser Ebene mal einzubeziehen. Die Schüler bilden eine starke Gruppe und sind politisch durchaus interessiert und kundig. Man sollte sie früh einbeziehen und auch bei der Landtagswahl bereits mit 16 Jahren wählen lassen“, sagte er.

Lukas Nowakowski (18) belegt den Erdkunde-Leistungskurs am Alten Gymnasium Oldenburg. Für ihn war das NWZ -Projekt eine Einstimmung auf die Wahl. „Diese Probewahl hat uns deutlich gemacht, wie wichtig es ist, das Wahlrecht Ernst zu nehmen“, sagt er.


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