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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Bildung

Wenn’s in der Kneipe zischt und knallt

11.06.2016

Osnabrück Marco Beeken ist nervös. „Ich habe Sorge, dass es vielleicht zu wenig Publikum gibt. Das wäre schade um den Aufwand“, sagt der Osnabrücker Chemie-Professor. Er hat seinen Arbeitsplatz getauscht - Kneipe statt Universität. „Pub-Science“ heißt die ungewöhnliche Veranstaltung, bei der zahlreiche Besucher am Donnerstagabend Chemie-Experimente verfolgen. Beekens Sorge ist also unbegründet. Und so kann er es mit seinem Schülerteam unbeschwert knallen lassen.

„Styropor in Aceton“ heißt das Experiment, das Markus Chou und Daniel Buhr präsentieren. Fachkundig erläutern die Gymnasiasten, warum das Styropor auf diese Weise auf seine Entsorgung vorbereitet werden sollte: „Styropor nimmt beim Transport viel zu viel Platz weg“, sagt Markus. Deshalb sei es sinnvoller, das Material in Aceton aufzulösen, bevor es verbrannt wird. Claudia, die das Experiment verfolgt, ist begeistert. „Es ist gut, Naturwissenschaften in die Öffentlichkeit zu bringen und zu zeigen, wie cool die Fächer wirklich sind“, sagt die Diplom-Physikerin.

50 Schüler von drei Gymnasien und vom Schülerforschungszentrum Osnabrück hat Beeken dafür gewonnen, Experimente außerhalb von Klassenzimmer und Universität zu präsentieren. Ziel sei es zum einen, mit den Schauexperimenten das Interesse für Naturwissenschaften zu wecken. Zum anderen sei es eine tolle Gelegenheit für die Schüler, ihr Können und ihr Wissen öffentlich zu präsentieren. „Wo haben Chemiker schon mal öffentlich die Gelegenheit dazu?“, fragt Beeken. Er ist mit den Schülern in 8 Kneipen im Einsatz, bei 25 Experimenten kommen 80 Chemikalien zur Verwendung.

Nicolas Riedel ist mit Feuereifer bei der Sache. Der Elftklässler hat Chemie als Leistungskurs - „gerade, weil es kracht“, sagt er zwischen zwei Experimenten. In der Chemie sieht er seine Zukunft, er schwankt nur noch, ob er erst eine Ausbildung als Chemielaborant machen soll oder direkt mit einem Chemie-Studium nach dem Abi loslegt. „Auf jeden Fall kann man Leute mit solchen Abenden für Chemie begeistern“, meint Nicolas, der sich auch zu Hause mit Chemie auseinandersetzt.

Weil es zischt und kracht, hat auch Mariana Lucht Chemie als Abiturfach gewählt. „Da ist einfach mehr Action als in Deutsch“, sagt die 17-Jährige, während sie am Kneipentisch mit einer Spüli-Lösung hantiert, um Blasen zu erzeugen. „Seifenblasenfeuer“ heißt das Experiment, das sie mit mehreren präsentiert. In dem Gemisch ist auch Feuerzeuggas. Hält Mariana ein Streichholz daran, fängt das Gas an zu brennen. Sieht spektakulär aus - das Publikum ist begeistert.

An einem anderen Tisch wollen die Schüler zeigen, wie mit 20 Tropfen Spiritus und einem Streichholz der Deckel einer Chips-Dose in die Luft fliegt. Zumindest soll er das. Nur jetzt gerade klappt es nicht, wofür die Gäste aber Verständnis haben. „Ach, versucht“s doch noch einmal, wir haben Zeit“, heißt es unisono.

Vier Stunden dauert der Abend. Um 22 Uhr müssen die minderjährigen Chemie-Experten Feierabend machen und werden von Professor Beeken zum Dank mit einer kleinen Rauchbombe überrascht. Der Chemie-Didaktiker ist zufrieden mit dem Verlauf. „Alle Beteiligten waren begeistert, Unfälle gab es nicht.“ Und so freut er sich schon auf die Neuauflage von „Pub-Science“ im nächsten Jahr.