Hannover/Oldenburg - Unterricht über Werte und Normen statt Religion: Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) startet mit dem neuen Schuljahr einen Pilotversuch an zehn Grundschulen. Damit komme die rot-grüne Landesregierung dem „vermehrten Wunsch von Eltern von Grundschulkindern“ nach, die „eine Wahlmöglichkeit wünschen“, betont die Kultusministerin.

Der Unterricht „Werte und Normen“ sei ausdrücklich als Alternative zum Religionsunterricht anzusehen und nicht als Ersatz, versichert die SPD-Politikerin. „Dem Religionsunterricht kommt eine besondere Bedeutung zu und zu dieser bekannte sich die Landesregierung ausdrücklich. Der Religionsunterricht ist als einziger Unterricht grundgesetzlich verankert und hat im Schulgesetz einen besonderen Stellenwert“, hebt die Ministerin hervor.

Das neue Fach soll von Lehrkräften unterrichtet werden, die bereits über eine entsprechende Lehrbefähigung an weiterführenden Schulen verfügen, aber an Grundschulen tätig sind. Dieser Weg sei notwendig, so Heiligenstadt, „da es in Niedersachsen keine Ausbildung für Grundschullehrkräfte im Fach Werte und Normen gibt“. Nicht ausgeschlossen, dass künftig dieses Fach in Oldenburg studiert werden kann. Die Universität sei dafür prädestiniert.

Bis entsprechend ausgebildete Lehrkräfte eingestellt werden, soll in der Erprobungsphase ein Rahmenplan den Leitfaden für einen Wertekunde-Unterricht bilden. Parallel finden Auswertungen von Experten statt. „Bei dem Modellversuch islamischer Religionsunterricht ist in der Vergangenheit ähnlich verfahren worden“, erläutert Heiligenstadt.

Die Regierungspläne stoßen auf ein unterschiedliches Echo bei Koalition und Opposition. „Ich begrüße, dass auch an Grundschulen das Fach Werte und Normen angeboten werden soll. Das ist ein überfälliger erster Schritt“, betont der Grünen-Schulexperte Heiner Scholing. In Niedersachsen gehöre jeder vierte Grundschüler keiner Religionsgemeinschaft an. Viele von ihnen nähmen derzeit dennoch an einem Religionsunterricht teil, weil sie keine Alternative hätten. Langfristig wollen die Grünen den Religionsunterricht abschaffen. „Perspektivisch wollen wir einen konfessionsübergreifenden Unterricht“, stellt Scholing klar.

Als „komplett überflüssig“ bezeichnet der FDP-Schulexperte Björn Försterling die Testphase für das Unterrichtsfach Werte und Normen an Grundschulen. „Entweder man führt das Fach ein oder man lässt es“, sagt Försterling.