WILHELMSHAVEN - Aus Kontakten mit jenen Schülern des diesjährigen Abiturjahrganges, die schon nach zwölf Jahren Schulzeit das Abitur ablegen wollen, wissen die Berufsberater der Agentur für Arbeit, dass frei verfügbare Zeit Luxus ist. Geht es darum, Beratungstermine festzulegen, kämen, so Berufsberater Jens Homberg, schon mal Sonderwünsche wie „bitte nur Termine ab 17 oder 18 Uhr“, oder wenn es ginge, gar sonnabends. Begründung: Das immense Lernpensum.
Am Dienstag hatte die Teamleiterin der Berufsberatung, Heide-Mary Wilken, zusammen mit den für die Abiturienten zuständigen Beratern Renate Böckenkröger und Jens Homberg sowie mit Claudia Lehde genannt Kettler und Carmen Oltmann jene Schüler zu einer Ausbildungsplatzbörse gebeten, die jetzt das Abitur oder die Fachhochschulreife erlangen werden und nicht (gleich) studieren wollen oder können.
„Die Nachfrage war überschaubar“, zog Wilken ein erstes Fazit. Aber man habe auch nichts anderes erwartet. Zum einen sei der doppelte Jahrgang derer, die schon nach zwölf Jahren das Abi ablegen können, gar nicht so stark wie ursprünglich angenommen. 20 Prozent des Jahrganges seien entweder freiwillig eine Klasse zurückgegangen oder hätten den Wechsel auf Berufsschule oder IGS vorgezogen. Und es gäbe auch die Haltung: „Schon nach zwölf Jahren Abi, da muss ich nicht sofort loslegen“ – also lieber ein Jahr mit einem freiwilligen Dienst oder Work & Travel überbrücken statt Entscheidungen überhasten. Andere wiederum stellen jetzt fest, dass der Abi-Schnitt vermutlich nicht für das angestrebte Studienfach ausreicht. Ihr Problem: Was tun, wenn man sechs Semester auf einen Studienplatz warten muss.
Einer der 14 Bewerber, darunter neun Erstbewerber, will Lehramt Ökonomische Bildung und Sport studieren und befürchtet, auf einen Studienplatz warten zu müssen. Im Gespräch mit Jens Homberg kam heraus, dass eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann sinnvoll sei.
Renate Böckenkröger sprach mit einer jungen Frau, die ein Studium der Germanistik und der Kommunikationswissenschaft ins Auge gefasst hat und für die als Zwischenlösung eine Ausbildung zur Buchhändlerin passend wäre. Die Berufsberater stellten aber auch fest: So locker auch viele ihre Berufswahl angingen, ihre Eltern täten das nicht. Das erkenne man daran, dass mehr Eltern als früher zu den Beratungsgesprächen mit erscheinen würden.
