WILHELMSHAVEN/BREMEN - Der Dekan des Fachbereichs Wirtschaft muss gehen. Er will sich allerdings „mit allen juristischen Mitteln“ zur Wehr setzen.

Von Jürgen Westerhoff

WILHELMSHAVEN/BREMEN - Der umstrittene Wilhelmshavener Fachhochschulprofessor Dr. Christoph Jahr muss die Hochschule verlassen. Das Präsidium teilte gestern mit, der Arbeitsvertrag mit Jahr sei „angefochten und hilfsweise gekündigt“ worden.

Als Begründung heißt es in der aus zwei Sätzen bestehenden Pressemitteilung, dass sich die Hochschule nach den durch die Wahl in Bremen bekannt gewordenen Hintergründen im Einvernehmen mit dem Wissenschaftsministerium Hannover entschlossen habe, sich von Jahr zu trennen.

Anlass für die Entscheidung ist die Tatsache, dass der ehemalige Amtsrichter Jahr bei seiner Einstellung im Jahr 2000 verschwiegen hatte, dass er zuvor wegen Rechtsbeugung zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden war, die er bis 1999 abgesessen hatte. Ein Führungszeugnis legte er erst mit Verspätung vor – nachdem der entsprechende Eintrag gelöscht worden war.

Jahr muss seine Tätigkeit als Hochschullehrer und Dekan sofort beenden, weil es durch die Anfechtung seines Vertrages zunächst kein geltendes Arbeitsverhältnis gibt. Der Professor hatte allerdings schon angekündigt, sich mit allen juristischen Mitteln zur Wehr zu setzen.

Zu einer Solidaritätsaktion „Sagt Ja zu Jahr“ haben unterdessen Studenten der Fachhochschule aufgerufen, während mehrere Professoren die Trennung gegenüber der NWZ nachdrücklich begrüßten. Sie bezeichneten Jahr als „schillernde Persönlichkeit“. Bei den Studierenden sei er wegen seiner „unglaublich freundlichen Zensurengebung“ beliebt, doch habe er sich nie mit der nötigen Tatkraft um seine Aufgaben gekümmert.

So seien augenblicklich fünf Professorenstellen im Fachbereich Wirtschaft „auf Eis“ gelegt, weil noch kein ausreichend schlüssiges Konzept für sie erarbeitet worden sei. Daran werde jetzt von anderen Professoren mit Hochdruck gearbeitet.