WILHELMSHAVEN - Seit über einem Jahr gibt es die „Fahrradwerkstatt“ des SOS-Kinderdorf an der Luisenstraße 21 in Wilhelmshaven. In dieser Zeit wurden 20 Kinder und Jugendliche betreut, die – teilweise bis zu drei Jahren – nicht mehr regelmäßig zur Schule gegangen sind.

Die Gründe sind vielfältig: Sie reichen von Versagensängsten über Mobbing bis zu Problemen im Umfeld. „Wenn die Kinder und Jugendlichen zu uns kommen, sind sie nicht unbedingt begeistert über ihre Teilnahme an unserem Projekt, doch durch Beharrlichkeit finden wir Zugang zu den Kindern und Jugendlichen“, sagt Bernd Prahm, einer der Anleiter des Projekts.

„In jedem Fall sollten Eltern schulmüde gewordener Kinder und Jugendlichen schnell reagieren, indem sie sich sofort mit den Lehrern zusammensetzen, um eine Lösung zu erarbeiten und sich bei Bedarf an das Jugendamt wenden“, ergänzt Sozialarbeiter Reiner Würdemann. „Unsere Erfahrung ist, dass die Kinder und Jugendlichen eigentlich alle zur Schule wollen, es ist ja sonst auch ziemlich langweilig.“

Ein Bereich des Projekts beinhaltet die Instandsetzung von gebrauchten Fahrrädern. Die Fahrräder können dann an hilfsbedürftige Menschen für einen geringen Kostenbeitrag weitergegeben werden. Dabei lernen die jungen Menschen praktisch in der Werkstatt, was ihr Selbstbewusstsein steigert: Sie übernehmen Verantwortung, strukturieren ihren Tag. „Zuerst müssen wir sie vielleicht noch aus dem Bett holen, aber nach kurzer Zeit kommen sie selbstständig“, ergänzt Holger Heimbeck, ebenfalls Anleiter.

Die meisten der ehemaligen Schulverweigerer gehen inzwischen wieder regelmäßig zur Schule. Einige werden noch weiter betreut.

Ab dem 1. Oktober ergänzt Miriam Wagemann, Sonderschullehrerin mit 1. Staatsexamen, das Projekt. In enger Zusammenarbeit mit den Schulen wird sie mit den Kindern versäumte Unterrichtsinhalte aufarbeiten, um langfristigen Schulschwänzern den Weg zurück zu erleichtern.