WILHELMSHAVEN/OLDENBURG - Heute wird der designierte Rektor der Hochschule Bremen, Hans-Christoph Jahr, zu gravierenden Vorwürfen angehört. Es geht um eine verschwiegene Haftstrafe.

Von Jürgen Westerhoff

WILHELMSHAVEN/OLDENBURG - Zwei wichtige Termine hat der Wilhelmshavener Fachhochschul-Professor Dr. Hans-Christoph Jahr an diesem Dienstag. Am Vormittag nimmt er als designierter Rektor der Hochschule Bremen an einer Sondersitzung des Akademischen Senats teil, und am Nachmittag wird er von der Präsidentin seiner Fachhochschule, Vera Dominke, zu einer Anhörung nach Oldenburg gebeten.

In beiden Fällen geht es um die berufliche Zukunft Jahrs. Nachdem bekannt geworden war, dass der ehemalige Frankfurter Amtsrichter Jahr zwischen 1997 und 1999 eine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen Rechtsbeugung verbüßen musste, steht sowohl an der Hochschule Bremen als auch an der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven eine Entscheidung über das weitere Vorgehen an.

Dabei spielt ein von Jahr vorgelegtes Führungszeugnis, das keinen Hinweis auf die Verurteilung enthält, eine wichtige Rolle. Jahr, der sich als Opfer einer Diffamierungskampagne sieht, vertritt die Ansicht, er habe sich mit der Vorlage des Führungszeugnisses absolut korrekt verhalten, zumal es schließlich auch um seine Resozialisierung gehe.

Sowohl die Fachhochschule als auch das Wissenschaftsministerium prüfen zurzeit aber auch die Frage einer unbeschränkten Auskunft ohne Löschung vergangener Eintragungen aus dem Zentralregister. Darauf haben nicht nur Gerichte und Staatsanwaltschaften, sondern auch oberste Landesbehörden einen Anspruch.

Im Zusammenhang mit der Frage, ob Jahr denn weiter als Dekan des Fachbereichs Wirtschaft an der Fachhochschule tätig sein kann, beschäftigen sich die zuständigen Stellen auch mit dem Bewerbungsverfahren aus dem Jahr 2000. Nach NWZ -Informationen hatte beim Abschluss des Arbeitsvertrages noch kein Führungszeugnis vorgelegen. Dies sei erst geschehen, nachdem die Frist für die Eintragslöschung – fünf Jahre plus Dauer der Haftstrafe – vorüber war. Eine Entscheidung der Fachhochschule soll noch in dieser Woche getroffen werden.