WILHELMSHAVEN - Musikunterricht im Pumpwerk – das steht wahrlich nicht jeden Tag auf dem Stundenplan. Es ist Montag. Die „Rockklasse“ der Hauptschule Bremer Straße darf das Pumpwerk entern. Sie wollen Lehr­ern, Mitschülern und ihren Eltern zeigen, was sie in der Schule neben Deutsch und Mathe gelernt haben: E-Bass, Gitarre, Schlagzeug, Keyboard und Gesang. Das Pumpwerk-Team hat die Räume kostenlos zur Verfügung gestellt, sorgt für grelles Scheinwerferlicht und Kunstnebel. Schüler der siebten Klasse spielen sich kurz vor der Präsentation warm. Später legen dann die Fünft- und Sechstklässler los mit „Big City Life“.

Schon vor dem Soundcheck herrscht in der Garderobe Gewusel. Die elfjährige Michelle John ist mittendrin und die Ruhe selbst: „Ich bin Scheinwerfer gewöhnt“, sagt sie wie ein alter Profi. Ihr Vater spiele selbst in einer Band. In der „Rockklasse“ ist Michelle für die Percussions zuständig: Rasseln und Schellenkranz. „99 Luftballons“ ist ihr Lieblingslied. „Da muss ich die Rasseln im Dreivierteltakt schütteln.“

Auf der großen Bühne sehen die Schüler tatsächlich wie kleine Stars aus. Dabei spielen die meisten von ihnen erst seit wenigen Monaten ein Instrument. „Die Schüler haben zum Großteil bei Null angefangen“, erklärt Dozent und Profimusiker Ralf Lübke, der als Gitarrist mit Bands wie „Rosenstolz“ zusammengearbeitet hat und die „Rockklasse“ mitbetreut.

Das Angebot ist ein Kooperationsprojekt der Hauptschule und Wilhelmshavener Musikschule. Neben Lübke kümmern sich die Musiklehrer Hendrik Felsch und Jürgen Holsing sowie Musikschuldozent Michael Otte um die insgesamt 21 Schüler der „Rockklasse“. Zweimal in der Woche ist Rockmusikunterricht. Wer Lust hat, kann in den Schulpausen weiter üben.

Für die „Rockklasse“ hat die Schule Instrumente erhalten. „Das ist nicht selbstverständlich“, weiß Lübke. Während es an der IGS und Gymnasien viele Musikprojekte und Orchesterklassen gibt, würden Hauptschulen oft zu kurz kommen. Dabei hätte das Musizieren einen wichtigen pädagogischen Wert: Der kleine Auftritt im Pumpwerk soll die Nachwuchsmusiker an ein Publikum und die aufwändige Bühnentechnik gewöhnen – und eine große Portion Stolz und Selbstvertrauen können sie sich erspielen.

Sogar der Englischunterricht hat auf einmal einen zusätzlichen Sinn. Das haben Kimberley Reershemius, Lena Taleb und Franziska Schwengel gemerkt, die den Gesang in der „Rockklasse“ übernehmen. „Die Liedtexte waren anfangs ganz schön schwierig“, sagen die drei Mädchen. Die englische Aussprache sei ebenfalls eine Herausforderung. Mit Musik geht das nun viel einfacher – und hört sich zudem richtig rockig an.