Hannover - Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) spricht von einem „Erfolgsmodell“, das bei Schülern und Eltern bestens ankommt: das Angebot an Ganztagsschulen. Tatsächlich wächst die Zahl der beteiligten allgemeinbildenden Schulen immer weiter. Im laufenden Schuljahr nutzten 367 505 Schülerinnen und Schüler von 702 510 landesweit ein Ganztagsangebot – ein plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Zum kommenden Schuljahr wird es voraussichtlich 74 neue Ganztagsschulen geben und damit über 1800 in ganz Niedersachsen“, kündigt die Kultusministerin an. Bisher sind es insgesamt 1742 Schulen.

Ganztagsschulen seien auch ein Erfolgsmodell, „weil die Landesregierung die Schulen besser ausstattet und mehr pädagogische Gestaltungsspielräume einräumt“, betont Heiligenstadt. Etwa Dreiviertel der Ganztagsschulen (77 Prozent) haben sich für ein „offenes Angebot“ entschieden. Rund 20 Prozent sind „teilgebundene Ganztagsschulen“. Das Angebot ist hier an mindestens zwei Tagen in der Woche verpflichtend. Drei Prozent fallen unter „voll gebundene Ganztagsschulen“ mit einem verpflichtenden Angebot an mindestens drei Tagen in der Woche.

Die Grünen zeigen sich sehr zufrieden mit der Entwicklung. „Die Zahlen zeigen, dass die Ganztagsschule angenommen wird“, betont der Grünen-Schulexperte Heiner Scholing. Damit werde die Berufstätigkeit der Eltern erleichtert. „Das ist ein großer Fortschritt“, so der Grünen-Landtagsabgeordnete, der zugleich etwas Wasser in den Wein gießt. „Es gibt noch Baustellen“, mahnt Scholing: „Insbesondere kommt es darauf an, die Ganztagsschule noch besser mit Horten und anderen ergänzenden Angeboten zu verzahnen. Denn viele Eltern sind auch auf ein Betreuungsangebot über die Öffnungszeiten hinaus und insbesondere in den Ferien angewiesen“.

Der CDU-Schulexperte Kai Seefried sieht eine „traurige Wahrheit“ hinter den Erfolgszahlen: Wegen Lehrermangels fällt vormittags viel zu viel Pflichtunterricht aus.