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NWZonline.de Sport Schwimmen

Ihre Geschichte kommt ins Kino

21.10.2017

Berlin Yusra Mardini ist es mittlerweile gewohnt, Fragen zu ihrem bewegten Leben zu beantworten. Das Interesse am Star des Flüchtlings-Teams von Rio de Janeiro ist mehr als ein Jahr nach den Olympischen Spielen ungebrochen. „Die Anzahl der Anfragen ist gleich geblieben“, erzählt die 19-jährige Syrerin am Rande einer Veranstaltung eines amerikanischen Sportartikel-Herstellers in Berlin.

Die Schwimmerin Mardini soll dessen Gesicht in Europa werden. Für den US-amerikanischen Markt füllt diese Rolle schon länger der Skistar Lindsey Vonn aus. An die sportlichen Leistungen einer Vonn kommt der im August 2015 aus Syrien nach Berlin geflüchtete Teenager nicht heran. Doch ihre Rolle als Mutmacherin für die vielen geflüchteten Menschen macht sie zu einer wichtigen Person.

Das „Time-Magazine“ führte sie in der Liste der 30 einflussreichsten Teenagar auf. Seit April 2017 ist Mardini jüngste UN-Sonderbotschafterin des Flüchtlings-Hilfswerks UNHCR. „Es ist toll, wie sich alles entwickelt hat“, bemerkt die junge Frau, die sich trotz des Rummels ihre Unbekümmertheit bewahrt hat.

Mardini ist laut ihres persönlichen Beraters und Ex-Trainers Sven Spannekrebs erwachsener geworden. „Sie hat gelernt, mit dem Trubel umzugehen und auch mal Nein zu sagen. Ich habe jetzt nicht mehr das Gefühl, sie beschützen zu müssen“, erzählt er.

Trotz einer Bambi-Verleihung, den Besuchen beim Papst und Ex-US-Präsident Barack Obama möchte Mardini „ein ganz normaler Mensch“ bleiben. Gleichzeitig ist es ihr wichtig, „den Menschen mitzuteilen, dass jeder auf seine Weise speziell sein und seine Träume eines Tages verwirklichen kann“.

Mardini ist das mit ihrer Teilnahme an den Sommerspielen 2016 gelungen. Ein knappes Jahr zuvor war an so etwas noch nicht zu denken. Wegen des syrischen Bürgerkrieges verließ sie ihre Heimat. Nach ihrer dramatischen Flucht mit einem gekenterten Boot fand sie dann in Berlin eine zweite Heimat.

Ihre bewegende Geschichte sorgte auch in Hollywood für Aufmerksamkeit. Ende 2018, Anfang 2019 soll der Film weltweit in den Kinos anlaufen. Die britische Produktionsfirma „Working Title“ hat die Rechte erworben. Mardini wird beratend zur Seite stehen. Zuvor erscheint im Mai 2018 ein Buch über sie.

Das Schicksal ihres Heimatlandes hat sie nicht vergessen. Mardini würde gern beim Wiederaufbau mithelfen: „Meine Freunde dort sagen mir zwar, es wird langsam besser. Doch die Situation ist noch zu unsicher.“ Ihre Zukunft sieht sie in Berlin.

Die Schule hat Mardini mittlerweile unterbrochen, um sich voll auf das Schwimmen zu konzentrieren. „Mein Ziel ist Tokio 2020“, erklärt sie. Ob sie dann unter der syrischen, der deutschen oder der Flagge des IOC-Teams startet, ist ihr egal. „Ich möchte einfach nur als Athlet antreten“, betont Mardini. Auch wenn sich in ihrem Leben viel verändert hat – ein Ziel ist gleich geblieben: „Jeder Athlet träumt davon, die Goldmedaille zu gewinnen.“