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NWZonline.de Sport Schwimmen

Schwimmen wird zur Randsportart

09.07.2019

Gwangju Die Athleten fiebern dem Startschuss der Schwimm-Weltmeisterschaft am Freitag in Südkorea entgegen, aber die deutschen Sportfans bekommen von der Euphorie kaum etwas mit. Im Hauptprogramm von ARD und ZDF laufen während der Titelkämpfe Formate wie „Sturm der Liebe“ oder „Bares für Rares“, für den „Quotenkiller“ Schwimmen ist kein Platz mehr. Da auch Eurosport auf eine Live-Berichterstattung im Fernsehen verzichtet, ist der erste TV-Blackout bei einer WM perfekt. Bilder liefert nur das ZDF als Livestream in seiner Mediathek.

Wassersprungstar Patrick Hausding findet das „peinlich und traurig“ – doch manche Gründe sind auch hausgemacht. Die Medaillenchancen der deutschen Athleten sind höchst überschaubar. Und der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) gab und gibt in der Öffentlichkeit kein besonders gutes Bild ab.

„In den letzten Jahren war es ein ziemliches Chaos“, sagte Athletensprecherin Sarah Köhler. Seit dem Rücktritt von Gabi Dörries vor sieben Monaten infolge eines Streits um eine Mitgliedsbeitragserhöhung um 60 Cent steht der DSV ohne Oberhaupt da. Und der Rücktritt des Schwimm-Bundestrainers Henning Lambertz schlug hohe Wellen.

Die langjährige DSV-Chefin Christa Thiel wurde nun an die Spitze einer Findungskommission gesetzt, um geeignete Kandidaten für den neu zu installierenden Vorstand zu finden. Da dieses Amt ehrenamtlich ausgeführt wird, dämpft Thiel die Erwartungen: „Das wird nicht einfach, da sind sich alle einig.“

Eine Führungskrise sieht Thomas Kurschilgen dennoch nicht, „der DSV ist voll handlungsfähig“, betonte der Direktor Leistungssport. Aufgrund der neuen Satzung sind Kurschilgens Kompetenzen gestiegen, und der neue starke Mann krempelte seinen Bereich kräftig um. Statt eines Bundestrainers soll ein ganzer Betreuerstab mit dem Namen „Team Tokio 2020“ die dritte olympische Nullnummer in Folge für deutsche Beckenschwimmer verhindern.

Doch es gibt auch positive Stimmen. „Es ist ein Ruck durch den Verband gegangen“, sagt Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz: „Die Gelder aus der öffentlichen Hand fließen ordentlich, wir haben mehr Personal.“

Mit insgesamt 61 Athleten reist der DSV nach Gwangju. Kurschilgen will keine konkreten Ziele nennen, er fordert lediglich, die Athleten sollen „mit Sympathie und Leidenschaft antreten, mit Stolz ihr Land und ihren Verband repräsentieren und für spannende Wettkämpfe sorgen“.

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