BERLIN - Studiengebühren schrecken deutlich mehr junge Menschen vom Studium ab als bisher angenommen. Dies zeigt eine neue Untersuchung im Auftrag von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), die bislang unter Verschluss gehalten wird. Demnach haben allein vom Abiturienten-Jahrgang 2006 bis zu 18 000 junge Menschen wegen Gebühren von bis zu 500 Euro pro Semester kein Studium aufgenommen.

Wegen der Brisanz der Studie vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern wird die Abiturientenbefragung seit Wochen zurückgehalten. Die Veröffentlichung soll erst in vier Wochen erfolgen.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), wie auch andere Abgeordnete forderten die sofortige Veröffentlichung der Studie. Das Thema gehöre auf den Bildungsgipfel der Regierungschefs von Bund und Ländern am Mittwoch in Dresden.

Schavan hält die Zahl der jungen Menschen, die wegen der Gebühren auf ein Studium verzichten, nicht für beträchtlich. Sie wisse, dass für 91 Prozent der jungen Menschen Gebühren bei der Studienentscheidung keine entscheidende Rolle spielten.

2006 hatten Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen als erste Bundesländer Studiengebühren verlangt. Danach folgten fünf weitere unionsgeführte Länder – Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Saarland und Hessen. In letzterem Bundesland wurden sie jedoch nach der Landtagswahl wieder abgeschafft. Die Höhe ist von Land zu Land unterschiedlich, in der Regel 500 Euro pro Semester.

Die Problematik der Studiengebühren ist auch in Oldenburg bekannt. „Die Anzahl der Studierenden ist tendenziell rückläufig“, so Uni-Pressesprecher Gerhard Harms. „Bremen erhebt beispielsweise keine Gebühren, und das macht es für uns schwierig in punkto Neuanmeldungen.“

Kommentar, S.4

Niedersachsen, s.6