BERLIN - BERLIN/KNA/DPA - Im Nachgang zu der Einweihungsfeier für das Holocaust-Mahnmal in Berlin hat sich Paul Spiegel entsetzt über das Vorhaben der Journalistin Lea Rosh geäußert, den Backenzahn eines ermordeten Juden in eine Mahnmal-Stele einzulassen. Es sei pietätlos und verletzte die religiösen Gefühle, wenn Rosh eigenmächtig Leichenteile außerhalb von jüdischen Friedhöfen platziere, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dies grenze an Blasphemie. Für ihn entstehe der Eindruck, dass die Mahnmal-Initiatorin aus Gründen der Medienwirksamkeit handele.

Rosh hatte bei der Eröffnung des Denkmals am Dienstag gesagt, dass ein Backenzahn sowie ein gelber Stern von ermordeten Juden in eine der Stelen eingelassen würden. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Albert Meyer, nannte das Vorhaben „empörend". Aus jüdischer Sicht sei Derartiges unter keinen Umständen hinzunehmen. „Sollte dies geschehen, so müssten wir Juden überlegen, ob wir diesen Ort überhaupt betreten können", so Meyer.

Rosh wehrt sich gegen die Kritik. Sie habe sich zuvor mit dem Architekten Peter Eisenman und einem Rabbiner abgesprochen, sagte die Mahnmal-Initiatorin. Sie löse damit ein Versprechen ein. Nun habe sie sich erneut bei einem Rabbiner erkundigt: Aus der jüdischen Normenüberlieferung Halacha gehe hervor, dass der Zahn beerdigt und versteckt werden müsse.

An diesem Donnerstag wird das Mahnmal erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Bis 10 Uhr werde der Zaun um die Gedenkstätte weggeräumt, kündigte die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas an: „Wir erwarten einen großen Ansturm.“