CELLE/LüNEBURG - Zwei Gefangene in der Haftanstalt Salinenmoor in Celle sollen einen Zellengenossen gequält, vergewaltigt und mit Schlägen und Tritten lebensgefährlich verletzt haben. Der Gewaltexzess hatte sich bereits im Januar ereignet.
Die Öffentlichkeit sei allerdings erst jetzt informiert worden, weil man die staatsanwaltlichen Ermittlungen habe abwarten müssen, sagte der Sprecher des Justizministeriums, Philip Haarmann, am Mittwoch in Hannover. Gegen die 28 und 33 Jahre alten Männer ist nach Angabe der Staatsanwaltschaft Lüneburg Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung erhoben worden. Der 33-Jährige muss sich zudem wegen Vergewaltigung verantworten.
Zunächst hätten die Männer ihr 28 Jahre altes Opfer auch aufgefordert, sich mit einem aus Geschirrtüchern geknoteten Strick selbst am Fensterrahmen zu erhängen, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Kolkmeier. Von diesem Vorhaben hätten sie aber abgelassen. Der Vorfall wurde laut Staatsanwaltschaft schon im Januar an das Justizministerium gemeldet.
Die grausame Tat hatte sich in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar, wenige Tage vor der niedersächsischen Landtagswahl, ereignet. Die Grünen im Landtag forderten die Landesregierung auf, die Mehrfach-Belegung von Zellen zur „absoluten Ausnahme“ zu machen. Erneut habe sich gezeigt, das dies zu „gefährlichen Situationen führen kann“.
Der Anlass für die brutale Attacke sei kaum nachvollziehbar, sagte der Staatsanwalt. Die beiden Angeklagten hätten sich angeblich an nicht näher genannten Angewohnheiten ihres Opfers gestört. Auch soll es Unstimmigkeiten wegen der Reinigung der Zelle gegeben haben.
Niedersachsen, S.5
