Hannover - In Niedersachsen fehlen 1200 Ärzte. Vor allem im ländlichen Raum wird das Problem größer. Die Ärztekammer Niedersachsen hat deshalb mehr finanzielle Unterstützung für neue Versorgungsmodelle gefordert. Die Lage werde sich verschärfen, sagte der Vize-Präsident der Kammer, Gisbert Voigt, am Freitag in Hannover. „Wir wissen, es werden mehr Ärzte ausscheiden als wir neu ins System hinzubekommen.“
Nach Angaben der Kammer sind in Niedersachsen derzeit gut 400 Hausarzt- und 200 Facharztstellen unbesetzt. Auch für die Krankenhäuser rechnet die Kammer mit 500 bis 600 unbesetzten Stellen.
Voigt forderte, die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum attraktiver zu gestalten. Er nannte als Beispiel ein 2010 gestartetes und noch bis Ende des Jahres laufendes Projekt des Landes in den Regionen Soltau-Fallingbostel, Emsland und Wolfenbüttel. Dabei übernehmen qualifizierte Arzthelferinnen aus den Praxen von Landärzten einen großen Teil der Hausbesuche bei alten und chronisch kranken Patienten. „Leider ist die Finanzierung dieses funktionierenden Modells nicht sichergestellt“, kritisierte Voigt. Einige Krankenkassen würden die Kosten nicht übernehmen.
Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) sicherte den Ärzten ihre Unterstützung zu. „Wir müssen die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum attraktiver gestalten. Ziel des Projektes muss es sein, Hausärzte von delegierbaren Aufgaben zu entlasten und Doppelstrukturen abzubauen“, sagte Rundt der NWZ. „Warum sollte ein Hausarzt 30 Kilometer über Land fahren, um einen Verband zu wechseln oder Blutdruck zu messen, wenn eine gut ausgebildete Fachkraft das tun kann?“ Die ersten Erfahrungen mit dem Modell seien positiv.
Die FDP forderte Rundt auf, sich bei den Kassen für eine weitere Finanzierung der Modellprojekte einzusetzen. „Die ärztliche Versorgung muss auch im ländlichen Raum sichergestellt werden,“ erklärte die FDP-Landtagsabgeordnete Sylvia Bruns.
