Oldenburg/Hannover - Der Missbrauch eines neunjährigen syrischen Jungen in einer Oldenburger Flüchtlingsunterkunft schlägt hohe Wellen. Auch der niedersächsische Landtag wird sich mit dem Vorfall beschäftigen. „Ein abscheuliches Verbrechen, für das die Täter mit aller Härte bestraft werden müssen“, erklärte CDU-Fraktionsvize Editha Lorberg am Freitag.

Die CDU will jetzt wissen, warum die Tat erst durch Hinweise aus der Bevölkerung bekannt wurde. „Ein so gravierender Vorfall darf nicht unter der Decke gehalten werden“, kritisierte Lorberg. „Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier etwas vertuscht werden sollte.“ Lorberg kündigte eine Anfrage an die rot-grüne Landesregierung an. „Wir wollen wissen, wer die Entscheidung getroffen hat, die Tat geheim zu halten und warum? War es der Oldenburger Polizeipräsident Kühme oder sogar Innenminister Pistorius selbst?“

Der Neunjährige war an Pfingsten vergewaltigt worden. Gegen den mutmaßlichen Täter, einen 17-jährigen Iraker, wurde Haftbefehl erlassen. Polizei und Ministerium begründeten ihr Schweigen mit dem Opferschutz.

Der Niedersächsische Richterbund verteidigte dieses Vorgehen. „Eine verantwortungsbewusste Zurückhaltung der Ermittlungsbehörden ist insbesondere im Hinblick auf den Opferschutz geboten“, erklärte der Vorsitzende der Bezirksgruppe Oldenburg, Dirk Dunkhase. Bei Sexualdelikten zum Nachteil von Kindern sei es der Regelfall, dass Informationen nicht unaufgefordert an die Öffentlichkeit gegeben würden. „Dabei spielt es keine Rolle, welcher Nationalität oder Herkunft die Beschuldigten und Geschädigten sind.“