Hannover - Der Landtag hat nach einer hitzigen Debatte am Montag die neuen Leitlinien für Sexualkunde-Unterricht mit den Stimmen von Rot/Grün und mehreren FDP-Abgeordneten verabschiedet. Danach muss die „Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten und gleichgeschlechtlicher Lebensweisen“ in „allen Fächern“ und in allen Schulen „verbindlich thematisiert“ werden. Das gilt etwa für „Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität“. Schulen sollen mit Schwulen- und Lesben-Initiativen „Aufklärungsprojekte“ durchführen.

Während Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) von einem „wichtigen Beitrag zur Offenheit und Toleranz“ sprach, prophezeite die CDU-Schulexpertin Karin Bertholdes-Sandrock „ganz gewaltige Proteste“ von Eltern, Schülern, Lehrern, Kirchen und anderen religiösen Gemeinschaften. „Rot/Grün setzt keine Grenzen, und das ist bedenklich“, sagte die Lehrerin: „Hetero-Normalität wird ins Abseits gedrängt. Ehe und Familie sind nur noch eine von vielen Möglichkeiten.“

Die Grünen-Abgeordnete Julia Hamburg reagierte empört. „Da platzt mir die Hutschnur“, antwortete sie auf die CDU-Kritik. Im Mathe-Unterricht müsse auch mal mit „schwulen Pärchen“ gerechnet werden. Der FDP-Schulexperte Björn Försterling, der sich als Homosexueller outete und dem Antrag zustimmte, betonte, dass es „um Sexualkunde und nicht um Sexualpraktiken“ gehe.