Berlin/Hannover - In Deutschland ist eine Debatte über die Zukunft des Transplantationswesens entbrannt. Hintergrund ist der Göttinger Prozess wegen angeblicher Manipulationen bei der Organspende. Politiker, Ärzte und Patientenvertreter wollen, dass der Staat stärker kontrolliert.

Der hannoversche Transplantationsmediziner Arnold Ganser forderte die Einrichtung einer staatlichen Kontrollinstanz. Er plädiere für die Gründung eines Institutes, das als Oberbehörde Transplantationen überwacht. Solche Kontrollen liegen zurzeit in der Verantwortung der Bundesärztekammer. Deren Prüfungen reichten aber nicht aus, denn die Transplantationsmediziner seien eine in sich geschlossene Gruppe. „Jeder kennt jeden. Man kann sich schlecht selber prüfen.“

Auch der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte am Montag im Radiosender MDR Info ein Eingreifen des Staates. Zurzeit kümmere er sich nicht um die Regeln bei Transplantationen. „Er lässt sie von der Ärztekammer machen – selbst wenn sie dann gegen Gesetze verstoßen“, kritisierte Brysch. Am Wochenende hatten sich bereits Grüne und Linkspartei für eine öffentlich-rechtliche Institution zur Transplantationskontrolle ausgesprochen.

Gisbert Voigt, Vizepräsident der Ärztekammer Niedersachsen, glaubt hingegen an das jetzige System. Er sagte dieser Zeitung am Montag: „Wir sind sehr sicher, dass wir ein Niveau erreicht haben, das sicherstellt, dass es so etwas wie in Göttingen nicht wieder geben wird.“ Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) kündigte am Montag eine Kampagne an, um das Vertrauen in die Organspende wieder herzustellen.