Hannover - Vergewaltigte Frauen haben laut einer Studie deutlich weniger Aussichten auf eine Verurteilung der Täter als in früheren Jahren. Vor 20 Jahren hätten in Deutschland 21,6 Prozent der Frauen, die eine Anzeige erstattet hatten, die Verurteilung des Täters erlebt – 2012 seien es nur noch 8,4 Prozent gewesen, sagte Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN).

In der Studie zeigten sich beim Vergleich der Bundesländer deutliche Unterschiede. Demnach sind die Erfolgsaussichten der Frauen mancherorts sechsmal so groß wie in anderen Regionen. Angaben zu den Ländern machte Pfeiffer nicht. Die Opfer-Vereinigung Weisser Ring fordert eine Untersuchung.

Pfeiffer warf die Frage auf, ob die sinkende Verurteilungsquote mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung zusammenhängt. Viele Gerichte legten den Vergewaltigungsparagrafen 177 eher eng aus, seit der Bundesgerichtshof 2006 eine Verurteilung aufgehoben hatte, kritisierte er. In der Begründung habe es geheißen, selbst wenn der Angeklagte seinem Opfer die Kleidung vom Körper gerissen und gegen dessen erklärten Willen Geschlechtsverkehr gehabt habe, belege das „nicht die Nötigung des Opfers durch Gewalt“.