„Das ist doch ein netter Bengel“, lacht Annemarie Havekost. Gerade hat Felix Carius bei der 90-Jährigen den Blutdruck gemessen. Alles in Ordnung. Der 21-jährige Auszubildende zeigt sich zufrieden. Annemarie Havekost sowieso: „Ich bin noch knackig.“ Es sind Momente wie diese, die dem angehenden Altenpfleger so viel Freud an der Arbeit im Wildeshauser Seniorenzentrum Alexanderstift bereiten.
Viele Abbrecher
Felix Carius hat sich bewusst für eine Ausbildung in der Altenpflege entschieden. „Handwerklich bin ich eher unbegabt“, meint er. „Außerdem wollte ich nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen.“ Er hat Praktika im DRK-Seniorenheim in Harpstedt und im Alexanderstift gemacht. Außerdem hospitierte der 21-Jährige im Hospiz in Falkenburg. Nun hat er die Ausbildung fast beendet. Anfang Mai steht das Examen an.
Im Gegensatz zu mancher Nachwuchskraft hat Carius durchgehalten. „Leider ist die Quote der Abbrecher sehr hoch“, sagt Sascha Lücke, der Leiter des Ev. Altenzentrums. Damit bestätigt er (wie berichtet) einen Bundestrend: Jeder vierte Lehrling schmeißt seine Ausbildung hin. Leider hätten viele junge Menschen eine falsche Vorstellung vom Beruf. „Viele denken, ich würde mit den alten Menschen nur Mensch-ärgere-Dich-nicht spielen oder Hintern abputzen“, ärgert sich Carius.
Dabei gelte die Ausbildung als sehr anspruchsvoll. „Sie ist medizinischer geworden“, sagt Lücke. Altenpfleger wirken bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mit, sie planen und dokumentieren die Pflege oder unterstützen ältere Menschen bei der Lebensgestaltung. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen oder der Umgang mit Krisen spielen eine große Rolle. „Der Beruf ist sehr stressig“, hat Carius bereits erfahren. Um die Menschen zeitnah adäquat versorgen zu können, müsse man gut organisiert sein.
Insgesamt hat das Alexanderstift 84 Bewohnerinnen und Bewohner. Carius ist in der „Heideglockengasse“ mit seinen gut 22 Bewohnern tätig. Dort tritt er in der Regel um 6.30 Uhr seinen Dienst an. Gemeinsam mit Wohnbereichsleitung und Fachkräften erfolge die Übergabe mit der Nachtwache. Dann versorgt der 21-jährige, der in Elsfleth lebt, die älteren Menschen – von der Wundversorgung bis zum Anreichen des Essens. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohnern seien aber fit und essen im Gemeinschaftsraum. Auch Rolli-Fahrer würden mobilisiert. „Man muss sehr flexibel sein und auf verschiedene Situationen eingehen können“, erklärt der Auszubildende. In der Regel ist er täglich bis 14 Uhr im Einsatz. Jedes zweite Wochenende ist Carius ebenfalls im Dienst. Auch zwei Nachtdienste gehören zur Ausbildung.
Übernahme ist sicher
Carius hat die schriftliche und praktische Prüfung bestanden, die mündliche stand zum Redaktionsschluss noch aus. Die Examensfeier findet am 22. Juni in der BBS Wildeshausen statt. Als examinierte Pflegefachkraft will ihn das Alexanderstift übernehmen. Die Einrichtung, die nach dem Tarifvertrag der Diakonie Niedersachsen (TVDN) bezahlt, trägt laut Lücke auch die Kosten für die Weiterbildung. Frühere Auszubildende hätten mittlerweile Führungspositionen inne. Die geringe Fluktuation sei ein Beleg für die große Zufriedenheit der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber. Inzwischen habe das Alexanderstift 93 Beschäftigte.
