Brake/Elsfleth - Ob Strandidylle in Oberhammelwarden, Wintersport auf dem Mooriemer Kanal, Rodeln vom Deich oder Disco bei Opa Lohse – das ländliche Leben hat auch seinen natürlichen Charme.

Karl Heinz von Thülen (76 Jahre) erinnert sich an seine Kindheit und Jugend: „Als Kinder haben wir natürlich fast jeden Tag am Strand in Oberhammelwarden (Elsfleth) gespielt, der damals noch durchgehend aus Sand bestand. Ohne Steinschüttung und ohne Campingplatz hatten wir einen großen Spielplatz. Auch an der Viehrampe - dort wurde noch Vieh auf Güterzüge verladen - waren wir mit unseren Fahrrädern aktiv. Im Winter waren wir, so oft es ging, entweder auf dem Mooriemer Kanal (zwischen B212 und Bahn) auf dem Eis zum Eishockeyspielen oder zum Schlittenfahren (Rodeln) vom Deich. Der Kanal war jedes Jahr zugefroren, sodass man von Käseburg bis Lienen weite Strecken Schlittschuh laufen konnte. Wir hatten einen großen Garten bei unserem Haus, neben der alten Molkerei, sodass dort auch immer Arbeiten für uns Kinder anfielen. Mein Vater war an der Molkerei Oberleistungsprüfer und für die Qualitätskontrolle der angelieferten Milch zuständig. Nach der Volkschule in Oberhammelwarden ging ich in die Lehre zum Elektroinstallateur zur Firma FRIBÖ in Brake. Damals fuhr ich mit dem Fahrrad bzw. mit der Bahn, die damals noch in Oberhammelwarden hielt. Dann kam das erste und das zweite Moped, mit dem man dann im Dorf cruiste und später nach Brake ins Kino oder zum Tanzen fuhr. Gerne bin ich auch mit den vom Landkreis Wesermarsch organisierten Touren ins Torfhaus zu „Onkel Ernst“ und zum Skifahren mitgefahren. Es war immer eine Clique aus Brakern und der angrenzenden Umgebung. Unser Jungendtreff war damals die Gaststätte am Bahnhof, der „Opa Lohse“ das Chef war. Hier gab es die erste Musikbox gab, zu deren Platten man mit Elvis uns Co. „abrocken“ konnte. Dann folgte der Einstieg in das Berufsleben gelandet. Inzwischen bin ich Rentner und habe immer noch jede Menge Sachen um die Ohren.“

Gert Fröhlich (65 Jahre) hat seine Kindheit und Jugend etwas anders erlebt: “Ich bin ganz in der Nähe von der Pier, in Brake, aufgewachsen, in der Brückenstraße. Da gehörte der Hafen mit zu unserem Revier. Ich habe mich oft am Hafen rumgetrieben und beim Laden und Löschen der Schiffe zugeguckt. Vermutlich kommt daher auch meine Affinität zur Seefahrt. Bei der Eröffnung der Fährverbindung Brake-Sandstedt war ich als Jugendlicher mit dabei. Damals konnte man am Eröffnungstag kostenlos rüber fahren. Das haben wir natürlich ausgenutzt und sind den ganzen Tag hin und zurück gefahren. Für uns Kinder und jugendliche Klippkanner war Brake immer nur Golzwarden, Boitwarden und Klippkanne. In Richtung Süden war Brake an der Breiten Straße zu Ende. In den letzten Jahren bin ich dann richtig auf den Geschmack gekommen und habe mehrere Frachtschiffreisen als Passagier unternommen. Am meisten haben mich dabei zwei Reisen im Winter durchs Eis nach Nordfinnland. Mein Sohn muss diese Leidenschaft geerbt haben- er fährt heute als Kapitän einen Hochseeschlepper.“

Und Hans-Werner Bergner (78 Jahre) hatte stets eine große Leidenschaft für das Fußballspiel. Als Jugendlicher war er sehr aktiv in der Jugendarbeit der Falken. Schon mit 15 Jahren war er Jugendgruppenleiter und fuhr dann auch oft mit den Kindern ins Zeltlager fahren. Darunter hat später die Familie auch ein bisschen gelitten. „Aber es hat auch viel Spaß gemacht“, sagt er heute. Mit 18 trat er in die SPD ein und ist bis heute in verschiedenen Positionen aktiv gewesen. Bis vor zweieinhalb Jahren war er viele Jahre lang Ratsmitglied in Brake. „Jetzt kümmere ich mich um meine Familie“, sagt Hans-Werner Bergner, „Wir haben vier Enkelkinder, mit denen wir gerne in den Urlaub fahren.“

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