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Mobilität „Man mutt taugange blieven“

Martin Kessens

Cloppenburg - Sie ist 97 und die älteste Teilnehmerin im Kurs „Mobil im Alter“ der „Macher - zu jung, um alt zu sein“. Auguste Lampe, genannt Guste, strahlt übers ganze Gesicht, wenn die Kursleiterin Marianne Trischkat die ersten Anweisungen für die gymnastischen Übungen gibt. „Weh tut eigentlich immer etwas“, sagt Guste, und dann im besten Plattdeutsch schiebt sie hinterher: „Wat schöll man dor groot över schnacken“ (will sich aber nicht lauthals beklagen). Jeden Tag macht sie ihre Runden durch den Cloppenburger Stadtpark, egal wie das Wetter ist, denn: „man mutt taugange blieven“ (man muss in Bewegung bleiben). Beweglichkeits- und Koordinationsübungen erlernt sie im 14-tägig stattfindenden Kurs.

Koordination auch als Sturzprophylaxe

Mit Ringen, Bällen, Tüchern, Hanteln, großen und kleinen Bällen oder Igelbällen wird ein Kraft- und Balancetraining durchgeführt. „Diese Übungen sind besonders wichtig, denn sie beugen Stürzen vor“, weiß Trischkat. „Balanceübungen, wie das Stehen auf einem Bein, sind eine große Herausforderung für die älteren Menschen“, ergänzt sie. Ein Tisch oder ein Stuhl muss dann als unterstützende Hilfe für das Balancieren herhalten.

Weg aus der Isolation

Marianne Trischkat (75) ist gelernte Hauswirtschaftsmeisterin und hat sich im Laufe der Zeit durch zahlreiche Kurse fort- und weitergebildet. Seit zehn Jahren ist Trischkat aktiv als Ehrenamtliche bei den „Machern“ in Cloppenburg tätig und hatte seinerzeit gleich zwei Gruppen ins Leben gerufen. Nach einer zweijährigen Unterbrechung (in dieser Zeit übernahm Elisabeth Huesmann die Gruppe) ist sie wieder die erste Ansprechpartnerin, wenn es um die Mobilität um Alter geht. Im aktuellen Kurs sind es meistens 12 bis 15 Personen im Alter von 65 bis 97 Jahren. „Uns ist auch die Gemeinschaft sehr wichtig“, sagt Trischkat, „denn viele leben allein, und wir holen sie mit diesem Kurs aus der Isolation“.

Übungen stärken auch geistige Fitness

Neben den körperlichen Aktivitäten hat die Übungsleiterin auch spezielle Übungen für den Kopf in petto, denn der Kurs verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Mobil bedeutet also nicht nur körperlich, sondern auch geistig mobil sein. Musik spielt ebenso eine große Rolle, um die Rhythmusfähigkeit beizubehalten bzw. zu fördern. Eine lustige und aufmunternde Geschichte schließt die Stunde ab, die – wie es immer einhellig heißt – „viel zu schnell vergangen ist“.

Auch leicht demente Menschen lassen es sich nicht nehmen, dabei zu sein. Wichtig dabei sei, dass man nicht oder kaum korrigiert, erklärt die Expertin. „Demente Menschen können nichts falsch machen“, macht sie deutlich, „Hauptsache sie sind ja dabei“. Marianne Trischkat ist auch ehrenamtliche Leiterin des Kreises für Karten- und Brettspiele. Dieser Kreis trifft sich 14- täglich. Auch hier stehen die Gemeinschaft und das gesellige Beisammensein im Vordergrund und nebenbei werden die grauen Zellen gefordert. „Männer trauen sich nicht“, stellt Trischkat bedauernd fest „Die könnten für beide Gruppen eine Bereicherung sein“, sagt auch die 97-jährige Guste.

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