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NWZonline.de Senioren

Erinnerung: „Ich war gerne Schülerin und Lehrerin“

07.02.2020

Dötlingen ist ihre Heimat und hier wurde sie im April 1938 auch eingeschult. Eine Schultüte gab es nicht. Es war ein Tag wie jeder andere. „Alle acht Jahrgänge waren in einem Klassenraum. Oft hatte der Lehrer für die 1. Klasse weniger Zeit und so halfen uns dann die Schüler der achten Klasse. Für das soziale Verhalten unter den Schülern war es eine wichtige Erfahrung“, stellt Wiltrud Schauer fest. Als sie das dritte Schuljahr beendet hatte, meinte der Lehrer: „Spare dir das 4. Schuljahr und gehe gleich auf die Höhere Schule“. Diese war in Wildeshausen und das bedeutete jeden Tag eine lange Strecke mit dem Fahrrad. „Die Umstellung von einer einklassigen Volksschule in die Realschule war schon gewöhnungsbedürftig. Hier gab es für jedes Fach einen Fachlehrer“, erzählt Wiltrud Schauer. Einige Jahre ihrer Schulzeit wurden vom Krieg überschattet. Gerade zum Ende des Krieges wurde es immer schwieriger, einen geregelten Unterricht abzuhalten, weil es immer wieder Bombenangriffe gab. Damit der wenige Unterricht überhaupt stattfinden konnte, musste jeder Schüler Heizmaterial mitbringen.

Morgens vor 4 Uhr aus dem Haus

Als einige ihrer Klassenkameraden zum Gymnasium nach Delmenhorst wechselten, wollten diese auch Wiltrud dabei haben. „Meine Eltern wollten davon nichts wissen. Ich habe solange gebettelt, bis sie doch einwilligten“. Es wurde für Wiltrud keine leichte Zeit. Da sie kein Fahrrad hatte, musste sie schon morgens um 4.45 Uhr aus dem Haus, weil der Zug nach Delmenhorst um 5.30 Uhr fuhr. Abends ging es erst um 18 Uhr zurück. Auch das Miteinander in dieser reinen Mädchenklasse war für sie nicht unproblematisch, denn ihre Mitschülerinnen sahen in ihr nur das kleine Mädchen aus dem Dorf. Sie hielt durch und machte 1950 ihr Abitur.

Durchhaltevermögen zahlte sich aus

Nun wollte sie Lehrerin werden. „Im Hinblick auf meine drei jüngeren Brüder, die eventuell auch studieren wollten, lehnten meine Eltern ein Studium für mich strikt ab“. Dafür besuchte sie die höhere Handelsschule und arbeitete anschließend als Schreibkraft in einer Baustoffhandlung und später bei der Raiffeisenbank. Nach eineinhalb Jahren bekam sie von ihrem Vater die Erlaubnis, an der PH eine schriftliche Aufnahmeprüfung zu machen. Sie bestand die Prüfung, erhielt aber eine Absage. Ein Jahr später wieder bestanden und wieder eine Absage. Inzwischen gab es an der PH einen neuen Direktor und somit startete Wiltrud einen dritten Versuch – und hatte Erfolg. Jetzt erfuhr sie, dass der Vorgänger grundsätzlich Lehrerkinder abgelehnt hatte, und der Vater von Wiltrud war Lehrer.

Von 1954 bis 1957 absolvierte sie ihr Studium in Oldenburg. Ihre erste Anstellung war in Dedesdorf an der Weser. Die nächsten Stationen waren Dingstede im Landkreis Oldenburg und Hooksiel. Das dortige Klima bekam Wiltrud gesundheitlich überhaupt nicht und so ging es zurück in die Heimat. 1960 hatte sie ihren Kollegen Peter Schauer geheiratet und beide wohnten in der Schule in Steinkimmen. Hier war Wiltrud als Lehrerin tätig. „Auch hier hatten wir noch alle acht Klassen in einem Raum. Da einige Schüler schon größer waren, kaufte ich mir immer Schuhe mit hohen Absätzen. So war ich mit meinen Schülern auf Augenhöhe“, lächelt Wiltrud. Von 1969 bis zur Pensionierung unterrichtete sie in Falkenburg, wo ihre Familie auch ihr Eigenheim hat.

Schüler Yared Dibaba

„Zu meiner Zeit hat es Spaß gemacht, Lehrer zu sein. Die Eltern standen noch hinter uns Lehrern und die Schüler haben uns gegenüber Respekt gezeigt“, schildert Wiltrud. Ein großes Anliegen war für sie die plattdeutsche Sprache, mit der sie in ihrer Kinder- und Jugendzeit aufgewachsen war. Neben dem regulären Stundenplan unterrichtete sie nicht nur zusätzlich das Plattdeutsche, unter ihrer Leitung wurden auch im Schulchor plattdeutsche Lieder einstudiert. Ein damaliges Mitglied in diesem Schulchor ist heute fast täglich im Fernsehen präsent: Yared Dibaba. Ist er einmal wieder in seiner alten Heimat Falkenburg, dann ist für Yared ein Besuch bei seiner ehemaligen Lehrerin Wiltrud eine Selbstverständlichkeit.

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